Berlin : Lebensretter für Julian gesucht

Andrang bei Aktion für leukämiekrankes Kind

Es ist Wochenende, aber in der Lichterfelder Athene-Grundschule war am Sonnabend so viel los wie an einem normalen Schultag. Da strömten Menschen an bunten Luftballons vorbei zu den Anmeldetischen, füllten geduldig Formulare aus, standen in aller Ruhe an. Sie alle machten das gern: Die deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS hatte zum Test für eine Stammzellenspende in die Curtiusstraße 37 geladen. Es geht um das Leben des fünfjährigen Julian aus Lichterfelde.

Einige hier in der deutsch-griechischen Europa-Grundschule kennen den Jungen persönlich. Wie Hilke Thordsen und Christine Schwartzkopff-Drevenstedt, deren Kinder mit Julian im Kindergarten gespielt haben, bevor der Junge an Leukämie erkrankte. Die Mütter können das Leid von Julians Eltern leicht nachvollziehen. Gerade läuft die letzte Chemotherapie-Phase, sagen die beiden. Julian sei mal im Krankenhaus, mal zuhause, es gehe ihm nicht gut – und dabei könne jedermann mit geringem Einsatz eventuell zum Lebensretter werden.

Thomas Scharr, 40, aus Hoppegarten, ist einer, der sich engagiert. Der Mann in Uniform arbeitet im Abschiebegewahrsam. Sein Wachleiter las über Julian, bat seine Mitarbeiter, möglichst mitzumachen. Nun hat auch Scharr ein Pflaster in der Armbeuge und futtert die Dankeschön-Gummibärchen. 50 Euro Aufwand pro Stammzellen-Bestimmung, da werden auch Spenden gebraucht. Zehn Merkmale müssen mit dem Kind übereinstimmen. Es gebe große Unterschiede schon zwischen Deutschen in Ost und Süd – türkischstämmige Berliner besäßen wiederum ganz andere Merkmale bei den Stammzellen, sagt DKMS-Sprecherin Jutta Oellig. In Berlin gebe es derzeit 50 000 registrierte Spender, 350 haben schon erfolgreich Stammzellen abgegeben. Das passiert übrigens zu 80 Prozent über herkömmliche Blutspende-Nadeln in beiden Armen, und nicht etwa über eine aufwendige Operation. Wer den Termin gestern verpasst hat, könne jederzeit auch einen Speicheltest mit zwei Watterstäbchen bei der DKMS bestellen. Krebskranke Babys, Kinder und Erwachsene in der ganzen Welt könnten so gerettet werden, appelliert Oellig (Infos: Tel. 07071/9430). kög

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