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ÖSTERREICHER IN BERLIN Franz-Karl Kaufmann hat für seine alpenländische Backkunst den Prenzlauer Berg erklommen und ein Café eröffnet. Foto: Mike Wolff
ÖSTERREICHER IN BERLIN Franz-Karl Kaufmann hat für seine alpenländische Backkunst den Prenzlauer Berg erklommen und ein Café...

Anderthalb Jahre lang war dieses Zipferl Österreich in Prenzlauer Berg kaum zu finden: Das Haus Bötzowstr. 15, Baustelle, verborgen hinter einem Gerüst und Planen. Jetzt starten Konditor Franz-Karl Kaufmann, 45, und Partnerin Nicole Böhme, 41, mit austriarot leuchtenden Tischen und Bänken vor endlich blanken Schaufenstern in den Sommer. „Wir sind froh, dass wir noch da sind“, sagen sie nach diesem Start.

Die Konditorei „Franz-Karl“ heißt wie der Chef in der Backstube. Der hat sie eigentlich aus Selbsterhaltungstrieb eröffnet: Der Wahl-Berliner und erst seit sechs Jahren in der Stadt, ein Österreicher aus der Bodenseegegend Bregenzer Wald, vermisste seine heimischen Backwaren. Sachertorte schmeckte nicht „wia dahaam“, Linzer – nicht zu finden, von Esterhazy ganz zu schweigen. Und weil er kein Linzer oder Wiener ist, verpasste er den Klassikern „den etwas anderen Gusto“, lupfte seine Interpretation österreichischer Klassiker in die Vitrine, auf altmodisch schönen Tortenplatten vom Trödler, serviert auf gesammeltem, bemaltem Porzellan. Nur „nicht so süß“ sollten sie allesamt sein. Sein Bienenstich ist gefüllt mit zarter Vanillecreme, aber sein Apfelstrudel kommt ohne Nüsse und Rosinen nicht aus, die Sacher ist saftig und schwer. Baiser liegt nicht nur als helles und dunkles Schäumchen auf der Etagere, es wellt sich auch abgeflämmt auf fruchtigen Torten. Von seinen bodenständigen Kuchen schleppt die Kundschaft aus dem Kiez auch gern mal acht Stück heim an die Sonntagskaffeetafel: Marille-Mandel, Mohn-Apfel, Topfen-Rhabarber, Ribisl-Vanille.

Drin nimmt man wie auf der Hütt’n Platz auf blaugrauen Holzbänken, bereit für alpenländische Kaffeekunde: kleiner Schwarzer (Espresso), Verlängerter (Tasse Kaffee), Melange (Cappuccino), Verkehrter (Latte Macchiato). Mehr Sprachkursus kommt per Wandmalerei dazu: „Golatschen“ heißt Taschen, „Powidl“ Pflaumen, „Germ“ Hefe, „Ribisl“ Johannisbeeren und „Striezel“ Zopf. Und in der Backstube gibt Franz-Karl auch nachmittags noch keine Ruh: felix Austria, glückliches Berlin. Susanne Leimstoll

Franz-Karl, Bötzowstr. 15, Prenzlauer Berg, Tel. 68 07 37 03. Geöffnet: Mi. – So. 12 – 18.30 Uhr. Kuchen 2,80 bis 3 Euro, Espresso 1,50, Latte Macchiato 2,50Euro.

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