Berlin : Leere Betten

1000 Gäste weniger als erwartet kommen zu den „Tagen der Begegnung“ in katholische Gemeinden

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Sie haben sich auf den Besuch gefreut, das Gästezimmer hergerichtet, ein Programm organisiert. Nun kommen die Gäste gar nicht. Anfang August erhielten viele Katholiken die Mitteilung, dass zahlreiche ausländische Jugendliche, die vor dem Weltjugendtag in Köln zu den „Tagen der Begegnung“ in die deutschen Bistümer kommen sollten, nicht anreisen werden. Der Weltjugendtag findet vom 15. bis 21. August statt, die Woche der Begegnung sieben Tage vorher. Die Idee der Begegnungswoche: Junge Ausländer sollen zunächst Zeit in einer deutschen Gastgemeinde verbringen und mit deren Jugendlichen gemeinsam nach Köln fahren.

Nach Berlin kommen nur 1700 statt der geplanten 2500 bis 3000 Gäste, sagt Stefan Förner, Sprecher des Erzbistums. Insgesamt hatte das Weltjugendtagsbüro bundesweit mit 250 000 Jugendlichen bei der Begegnungswoche gerechnet, nur 150000 werden kommen. Die Verteilung der Gäste auf die Bistümer wird von Köln aus organisiert. Die Bistümer teilen die Gäste den Gemeinden zu.

Dass weniger Jugendlich als geplant kommen, liege daran, dass man sich schon vor einem Jahr habe anmelden müssen, heißt es im Büro des Weltjugendtages. Außerdem seien viele Pilger im April nach Rom gefahren, zur Beerdigung von Johannes Paul II. „Sie entscheiden dann vielleicht, zwar noch nach Köln zu kommen, für eine weitere innerdeutsche Reise ist aber einfach kein Geld da“, sagt eine Sprecherin des Weltjugendtages.

Bistumssprecher Förner findet, dass es zur Rolle des Gastgebers auch gehöre, Absagen einzustecken. Und für die gebe es „so viele Gründe wie Länder“. Schade sei natürlich, dass manche Gemeinden nun ganz auf Gäste verzichten müssen. Wenn ein ganzer Bus voll polnischer Gäste absage, könne das Bistum nicht aus anderen Gemeinden Teilgruppen abziehen, um anderswo leere Betten zu füllen. „Das ist organisatorisch nicht machbar.“

Ganz leer gehen nun beispielsweise die Pfarreien Heilig Geist und St. Ludwig in Charlottenburg aus. „Wir sind schon sehr enttäuscht, über 70 Gäste haben wir erwartet“, sagt Pater Hans-Georg, Pfarrer in St. Ludwig. Auch Josef Grünwald aus Heilig-Geist, der sich als Gastgeber angeboten hatte, ist enttäuscht: „Gerade in den Gemeinden – und nicht in Köln – kann doch der Austausch zwischen Christen stattfinden.“

Bistumssprecher Förner ist dennoch sicher: „Die Tage der Begegnung sind ein Riesenerfolg.“ Denn nie hatte ein Weltjugendtag so viele Pilger in den Gemeinden, in Toronto 2002 waren es beispielsweise nur 70 000 Jugendliche. jea

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