Berlin : Leere Säle, volles Haus

Tausende strömten ins sanierte Bode-Museum Ein Simulator zeigt die Zukunft der Insel

Sebastian Leber

Dass die Skulpturen und Gemälde im Bode-Museum noch fehlen, fiel gestern nicht weiter auf: Platz gab es trotzdem keinen. Mehrere tausend Besucher strömten schon am ersten der drei Tage der offenen Tür in das frisch sanierte Gebäude, allein in den ersten zwei Stunden kamen 2500. Die Warteschlange war zwischenzeitlich mehrere hundert Meter lang. „Wo kommen nur die ganzen Leute her?“, wunderte sich Mitarbeiter Kristian Jarmuschek. „Das gefällt mir, wie sich die Berliner ihr Museum erobern.“ Manche Besucher waren vom Andrang weniger begeistert – zum Beispiel Irlana Wilms, die auf der Treppe in der kleinen Kuppelhalle weder vor noch zurück konnte: „Ich hatte gehofft, dass die Massen erst am Wochenende strömen. Langsam habe ich die überfüllten Museen in dieser Stadt mächtig satt.“ Das Ergebnis der fünfjährigen Sanierungsarbeiten gefiel Wilms aber schon. „Viel heller ist es hier drin geworden. Ein richtiges Lichtmuseum.“

Wer das Innere des Gebäudes ohne Gedränge erkunden möchte, muss mit einer Compuersimulation vorlieb nehmen. Im benachbarten Pergamonmuseum wurde gestern der Medienraum „Museumsinsel Berlin 2015 – Projektion Zukunft“ eröffnet. Hier können Besucher wie in einem Flugsimulator virtuell über den fünf Museen kreisen oder auf verschiedenen Routen durch die Gänge der einzelnen Gebäude wandern. Und jetzt schon sehen, welche Kunstsammlung später, nach Abschluss aller noch ausstehenden Sanierungsarbeiten, in welchem Gebäude untergebracht wird. „Mit dem Programm zeigen wir, wo es hingeht“, sagte Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Er gab zu, mit dem neuen Simulator nicht nur die Museumsbesucher beeindrucken zu wollen: „Als Nächstes führen wir das dem Haushaltsausschuss vor.“ Der soll nämlich Gelder vom Bund freigeben, damit die geplanten Sanierungsarbeiten bis 2015 erfolgen können. Die im Neuen Museum haben bereits begonnen, anschließend geht es im Pergamon- und im Alten Museum weiter. Außerdem soll die „Archäologische Promenade“ sämtliche Gebäude miteinander verbinden und zusätzliche Ausstellungsfläche bieten.

Auch im Bode-Museum gibt es bis nächsten Sommer noch einiges zu tun. Dann soll das Haus offiziell öffnen und neben Beständen des Münzkabinetts und des Museums für Byzantinische Kunst unter anderem eine Skulpturensammlung ausstellen. Bis dahin wird auch das riesige Baugerüst in der Eingangshalle entfernt, verspricht Mitarbeiter Jarmuschek. Wer das noch sehen will, muss heute oder morgen zum Tag der offenen Tür kommen. „Vielleicht am besten zwischen 12 und 14 Uhr, wenn die meisten anderen beim Mittagessen sind“, empfiehlt Jarmuschek.

Das Bode-Museum hat heute und morgen jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Alle 15 Minuten gibt es kostenlose Führungen.

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