Leergeld : Erstaunlicher Eifer der Justiz

Der Bahn laufen die Kunden davon? Manchmal ist das Gegenteil der Fall – und ein solcher beschäftigt das Amtsgericht Tiergarten. Richtiger müsste es heißen, dass das Amtsgericht sich beschäftigt.

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Der Bahn laufen die Kunden davon? Manchmal ist das Gegenteil der Fall – und ein solcher beschäftigt das Amtsgericht Tiergarten. Richtiger müsste es heißen, dass das Amtsgericht sich beschäftigt: Rund 50 Schaffner ließ es am Montag als Zeugen im Prozess gegen eine Frau aufmarschieren, die unentwegt Bahn gefahren ist. Statt eines Fahrscheins hatte sie den Kontrolleuren stets nur ihren Ausweis gezeigt. Doch unter ihrer Adresse war kein Fahrgeld zu holen und auch sonst nichts, weil die Frau obdachlos ist. Obdachlos war, um genau zu sein, denn die letzten Monate verbrachte sie in Untersuchungshaft. Das ist dank der verschlankten Verwaltung preislich inzwischen zwar günstiger, als den ganzen Tag lang mit der Bahn herumzugondeln. Aber es ist Steuergeld. Von ebendiesem wird auch das Gericht finanziert, das die Frau zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hat. Fährt sie wieder schwarz, muss sie ins Gefängnis, dessen Kosten wiederum … Vielleicht bräuchte die Justizkasse für solche schwierigen Fälle eine kleine Extra-Schublade, eine Pragmatismus-Kasse sozusagen. 3800 Euro kostet die Jahreskarte „Bahncard 100“. Mit der wären die Frau und der Steuerzahler besser dran als mit einem Mammutprozess.

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