Berlin : Legionellen-Alarm in Marzahn

Schwimmhalle geschlossen. Laut Fernsehbericht auch andere Bäder betroffen

Matthias Oloew

In der Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz in Marzahn ist eine überhöhte Konzentration von Legionellen festgestellt worden. Die Halle ist jetzt geschlossen und soll frühestens morgen wieder öffnen. Nach einem Vorabbericht des ZDF-Magazins „Wiso“ (Sendetermin: Montag, 19 Uhr 25) sind auch in sechs weiteren Bädern – darunter im Stadtbad Wilmersdorf I an der Mecklenburgischen Straße – erhöhte Konzentrationen dieser gefährlichen Bakterien festgestellt worden. „In der Marzahner Schwimmhalle hatten wir einen technischen Defekt“, erklärt Bäder-Vorstand Klaus Lipinsky und bestritt gleichzeitig, dass es in weiteren Hallen gravierende Probleme gebe: „Es gibt in unseren Bädern keine gesundheitlichen Risiken.“

Laut Lipinsky ist ein defekter Wärmetauscher verantwortlich für die hohen Legionellen-Konzentrationen in Marzahn. So habe kontaminiertes Wasser in die Duschen gelangen können. Gemessen wurden Spitzenwerte von 17 000 Kolonien bildende Einheiten dieser gefährlichen Erreger pro hundert Milliliter. Schon bei 10 000 ist eine sofortige Schließung vorgeschrieben.

Bei routinemäßigen Kontrollmessungen sind auch in den Stadtbädern Wilmersdorf, Tiergarten, in der Schwimmhalle Fischerinsel, im Stadtbad Spandau und in einer Herrendusche im Sommerbad Kreuzberg (Prinzenbad) erhöhte Werte gemessen worden. „In diesen Fällen hat es ausgereicht, das Wasser thermisch zu desinfizieren“, sagt Lipinsky, also auf 70 bis 80 Grad zu erhitzen. Bei diesen Temperaturen sterben die Erreger ab.

Legionellen vermehren sich vor allem in lauwarmem Wasser rapide. Zur Gefahr für die Gesundheit werden sie, wenn sie in die Lunge gelangen. Das ist beim Duschen sehr leicht möglich, wenn feine Wassertröpfchen eingeatmet werden. Dort können die Erreger eine schwere Lungenentzündung verursachen, die, wenn sie nicht behandelt wird, tödlich enden kann. Vor allem gesundheitlich labile Personen sind für die Legionellose (Legionärskrankheit) besonders anfällig sowie Kinder und alte Menschen.

Schwimmbäder sind in der Vergangenheit immer wieder wegen Legionellenbefalls gesperrt worden. 2001 und 2003 betraf es das Paracelsusbad in Reinickendorf, 2005 das Stadtbad Mitte in der Gartenstraße. Die Bäderbetriebe hatten damals Desinfektionsanlagen installiert und in den anderen Bädern das Duschwasser rgelmäßig erhitzt, um so die Erreger abzutöten.

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