Berlin : Legionellen im Ritz

In dem Fünf-Sterne-Hotel am Potsdamer Platz entdeckten Prüfer die gefährlichen Bakterien

Ingo Bach

Im Wassersystem des Berliner Luxushotels Ritz-Carlton am Potsdamer Platz wurden Legionellen entdeckt. Nach Angaben des Hotels habe man an mehreren Messstellen eine erhöhte Konzentration dieser Bakterien gefunden, die eine unter Umständen sogar tödliche Lungenentzündung, die so genannte Legionärskrankheit (Legionellose) hervorrufen können. Mehrere Zimmer des Hotels seien daraufhin gesperrt worden, sagte Hotelchef Walter Junger dem Tagesspiegel. Diese Räume seien zu jenem Zeitpunkt allerdings nicht belegt gewesen. Wieviele Zimmer vorübergehend aus dem Service genommen wurden, wollte Junger nicht sagen.

Das Haus der Kategorie Fünf-Sterne-Plus war erst im Januar diesen Jahres eröffnet worden. Eine mögliche Ursache für die Legionellenbelastung könnten Probleme mit der Hydraulik sein, die den Wasserdruck in den Leitungen des Hotels bestimmt. Die Anlage habe in den letzten Tagen nicht richtig funktioniert, heißt es. Dadurch sei die Durchlaufgeschwindigkeit des Wassers gesunken. Das bietet Legionellen ideale Wachstumsbedingungen. Denn die Erreger entwickeln sich im lauwarmen, kaum fließenden Wasser massenhaft. Und werden dann zu einer Gefahr, vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Die Bakterien können eine Legionellose verursachen, wenn sie in feinen Wassertröpfchen eingeatmet werden, zum Beispiel unter der Dusche. Legionellen sind weit verbreitet. Schätzungen zufolge finden sich die Erreger in der Wasserversorgung jedes dritten Haushalts.

In der Regel ist ihre Menge jedoch zu klein, um das Immunsystem gesunder Menschen zu überfordern. Anders im Ritz-Carlton: Hier haben Prüfer im Auftrag des Hotels eine „erhöhte Belastung“ registriert, sagt Generaldirektor Junger. „Wir überprüfen regelmäßig die Wasserqualität in unserem Haus.“ Freiwillig, denn gesetzlich vorgeschrieben ist das nicht. Zum Schutz der Gäste und Mitarbeiter habe man daraufhin auf Empfehlung des Gesundheitsamtes Mitte die betroffenen Zimmer gesperrt. Außerdem wurde jetzt eine spezielle Desinfektionsanlage gegen Legionellen eingebaut. Es gibt dafür verschiedene Verfahren, zum Beispiel mit Hilfe von Chlor oder durch das Bestrahlen mit UV-Licht. Zum Teil sind diese in ihrer Wirksamkeit aber umstritten. Für welche Anlage sich das Ritz-Carlton entschieden hat, wollte Junger nicht sagen.

Jetzt werde die gesamte Wasser-Rohranlage durchgespült. In einigen Tagen hofft das Hotel, das Problem im Griff zu haben. „Unsere Techniker arbeiten mit Hochdruck an der Reparatur der WasserHydraulik“, sagt Junger. Außerdem erwarte man die Ergebnisse der Nachtests auf Legionellen.

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