Berlin : Legionellengefahr: Der Badespaß der Berliner bleibt ungetrübt

Annette Kögel

An der Kasse eine lange Warteschlange, das Schwimmbecken durch die vielen Badegäste beinahe so aufgewühlt wie ein Whirlpool, der Beckenrand voll quirliger Kindergruppen: Im Stadtbad Schöneberg herrschte am gestrigen Sonntag Hochbetrieb. Auch in anderen Hallenbädern scheint die aktuelle Diskussionen um Gesundheitsgefahren durch Legionellen-Bakterien den Badespaß der Berliner kaum zu trüben. Dies bestätigte eine Umfrage bei mehreren Bädern. Die Erreger der Legionärskrankheit können indes nicht nur in Bädern vorkommen, sondern überall dort, wo eine zentrale Warmwasseraufbereitung Duschen speist - also auch in Schulen, Sportstudios oder Vereinsanlagen, sagte Robert Rath, Sprecher des Landesamtes für Gesundheitsschutz, auf Anfrage.

"Reger Betrieb, so viele Gäste wie immer", lautete die Auskunft der Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park. "Die Leute fragen, aber das Thema ist besuchermäßig für uns kein Problem", ist aus dem Bad am Spreewaldplatz zu hören. "Gute Auslastung": Schwimmhalle Sewanstraße. "Es ist voll, aber wir haben noch Platz für Gäste" - so das Stimmungsbild im Kombibad Gropiusstadt. Mehr wollten die Mitarbeiter aber nicht sagen und verwiesen auf den Sprecher der Bäderbetriebe. "Das Gesundheitsamt war da, bei uns ist alles tutti", sagte ein Mitarbeiter des Stadtbads Schöneberg an der Hauptstraße. Die Warmwasseranlage heize nachts auf 70 Grad hoch, auf diese Weise würden Legionellen abgetötet.

Wenn hingegen 30 bis 50 Grad warmes Wasser mehrere Tage in Rohren steht, können sich die Legionellen-Bakterien besonders reichhaltig vermehren. Dies war zuletzt im Paracelsus-Bad, im Schwimmbad Märkisches Viertel sowie in der Sportschwimmhalle Sachsendamm der Fall. Dort wurden bei einer Untersuchung Bakterien in erhöhter Konzentration im Duschwasser gefunden, die Bäder vorsorglich geschlossen. Zuvor waren Erreger im Becken des Bades am Hüttenweg nachgewiesen worden, auch hier wurde der Betrieb danach eingestellt. Ob auch noch andere Schwimmhallen beziehungsweise deren sanitäre Einrichtungen betroffen sind, werden elf weitere Tests ergeben - Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Legionellen im Wasser - dieses Thema beschäftigt heute auch Experten der Senatsgesundheitsverwaltung, der Bäderbetriebe und des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi). Nach Auskunft von Lagetsi-Sprecher Robert Rath wird unter anderem eine Meldepflicht auch kleinerer Sportbetriebe sowie möglicherweise der untersuchenden Labors diskutiert - bislang müssen sie Ergebnisse den Senatsbehörden nicht melden.

Grundsätzlich können sich die Bakterien, die vor allem bei immungeschwächten und älteren Menschen eine Form der Lungenentzündung mit teils sogar tödlichem Ausgang auslösen können, überall vermehren, wo 30 bis 50 Grad heißes Wasser länger steht. Deswegen sollten Hausbesitzer und Anlagenbetreiber, die Warmwasserspeicher besitzen, die Leitungen regelmäßig mit sehr heißem Wasser durchspülen, empfiehlt Rath. In Berlin erkrankten im vergangenen Jahr 23 Menschen an der Legionärskrankheit, einer davon starb. Setze man diese Zahl ins Verhältnis zur Anzahl der sanitären Einrichtungen und Bäder in der Stadt, relativiere dies die in einigen Medien übertrieben dargestellte Gefahr, sagte Robert Rath.

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