Berlin : Lehrer-Dilemma

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LESERBRIEF DES TAGES

Betr.: „DepressionsForscher: Jeder zweite Patient ist Lehrer“ vom 30. 10. 2002

Es wirkt auf mich widersprüchlich und zugleich kennzeichnend für das „Lehrer-Dilemma“, wenn einerseits der überaus beunruhigende Burn-out so vieler Lehrer in Form von Depressionen konstatiert wird, andererseits aber aus Spargründen wieder zwei Wochenstunden mehr gefordert werden. Der offenkundige Bildungsnotstand laut PISA und OECD-Bericht kann nur dann wirkungsvoll angegangen werden, wenn die Vermittler der Bildungsqualifikationen – sprich Lehrer – überhaupt in die Lage versetzt werden, die gewünschte Qualität zu erbringen. Bei nochmals erweiterten Stundenanforderungen rückt dieses Ziel in weite Ferne für eine Berufsgruppe, die durch jahrzehntelange Schelte („faule Säcke“) und Überforderung mit gesellschaftlichen Reparaturaufgaben wie kaum eine andere an Kräften verloren hat. Wenn man sie jetzt nicht über Stressbewältigungs- und Präventionsprogramme, umfangreiche Fortbildungen, angemessene Ausstattungen und vor allem gesellschaftliche Akzeptanz entlastet und auffängt, dann wird das Bildungsdilemma entsprechend dem Lehrerdilemma noch lange bestehen bleiben.

Dr. Dagmar Rohnstock, Hermsdorf

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