Lehrer : Gesucht: Neue Jobs für dauerkranke Lehrer

Der Berliner Bildungssenator Zöllner will dienstunfähige Pädagogen wieder beschäftigen – an Schulen sollen sie aber nicht eingesetzt werden.

 Susanne Vieth-Entus

Dienstunfähige Lehrer sollen nicht mehr zum Nichtstun verdammt sein: Durch Zusammenarbeit von Bildungsverwaltung und Zentralem Stellenpool werden jetzt neue Beschäftigungen für die ersten der mehr als 900 Pädagogen gesucht, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in ihren Beruf zurück können. Ein entsprechendes Projekt zur „beruflichen Neuorientierung von Lehrkräften“ hat Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gestartet. Für die ersten „Fälle“ werden bereits passende Tätigkeiten gesucht.

So ist eine ehemalige Geschichtslehrerin gerade dabei, historisch wichtige Akten in einem bedeutenden Archiv zu sichern. Ein dienstunfähiger Berufsschullehrer konnte aufgrund einer entsprechenden Doppelausbildung in ein Justitiariat vermittelt werden, und eine Chemielehrerin kann möglichwerweise bald in einer Umweltbehörde anfangen. Insgesamt sind aktuell rund 20 Fälle anhängig, in denen Lehrer gern anderweitig arbeiten wollen und die Voraussetzungen für eine Vermittlung erfüllen.

Ganz einfach ist es nicht, neue Arbeitsplätze zu finden, denn die Bildungsverwaltung hat eine strenge Vorgabe gemacht: Die betreffenden Lehrer dürfen nicht in „außerunterrichtlichen Bereichen der Berliner Schule“ eingesetzt werden, heißt es in der Mitteilung Zöllners an das Abgeordnetenhaus. Begründet wird dies damit, dass „eine zielführende außerunterrichtliche Tätigkeit immer auch eine aktuelle Unterrichtserfahrung bedingt“. Stattdessen soll vorrangig nach anderen freien Planstellen im unmittelbaren Landesdienst gesucht werden. Auch „Übergangseinsätze“ zur Erprobung sind denkbar.

Das hatte sich Özcan Mutlu anders vorgestellt. Der Grünen-Bildungspolitiker hatte vor zwei Jahren die Initiative ergriffen und mit seiner Fraktion beantragt, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass langzeiterkrankte Lehrer, die wegen ihrer Erkrankung nicht unterrichten können, außerhalb des Unterrichts in der Schule zum Einsatz kommen. Als Beispiel nannte er die Betreuung von Referendaren, Einzelförderung von Kindern, Korrektur von Vergleichsarbeiten, Verwaltungsarbeiten und das Erstellen von Unterrichtsmaterial.

Mutlu findet es bedauerlich, dass Zöllner diesen Einsatz, der die gesunden Lehrer sehr entlasten könnte, nicht will. Allerdings begrüßt er es, dass der Senator den Antrag überhaupt aufgegriffen hat und den Lehrern damit neue Perspektiven eröffnet, was bundesweit durchaus nicht üblich ist.

Ein massenhaftes Phänomen dürfte die Vermittlung in neue Arbeitsverhältnisse allerdings auch in Berlin nicht werden, denn nur ein kleiner Teil der weit mehr als 900 dauerkrank gemeldeten Lehrer will oder kann beruflich noch mal neu durchstarten. Zwar gilt das Prinzip „Rehabilitation vor Versorgung“, aber die Praxis sieht oft anders aus, denn das Verfahren ist schwierig. Wenn der kranke Lehrer einen Einsatz außerhalb seiner bisherigen Tätigkeit wünscht, muss zunächst der Amtsarzt zustimmen. Dann beginnt die Suche nach einer geeigneten Stelle.

Für diese Suche ist eine Dienstkraft des Zentralen Personalüberhangmanagements (ZeP) abgestellt worden. Sie muss nun besagte Stellen finden und in der betreffenden Behörde dafür werben, einen – meist schon älteren – ehemaligen Lehrer überhaupt einzustellen. Um die Bereitschaft zu erhöhen, wird versucht, Reha-Gelder von der Rentenversicherung zu bekommen, um anfangs die Personalkosten zu reduzieren. Das klappt mitunter, wenn die Betroffenen als schwerbehindert eingestuft sind. Darüber hinaus soll eine Probezeit die Eignung für den neuen Job klären.

Interesse an einer neuen Tätigkeit haben vor allem angestellte Lehrer, weil sie bereits nach sechs Wochen aus der vollen Lohnfortzahlung herausfallen und auch kaum Aussicht auf eine auskömmliche Rente haben. Aber auch verbeamtete Lehrer seien durchaus dabei, heißt es seitens der Bildungsverwaltung. „Sie wollen nicht zu Hause sitzen, sie wollen einfach arbeiten – Geld hin, Geld her.“

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