Berlin : Lehrer hoffen auf Hilfe gegen Jugendgewalt

Freude über Gesprächsangebot der Justizsenatorin Oft erfahren Schulen nichts über verurteilte Schüler

von und Lars von Törne

Lehrer und Schulleiter haben die Ankündigung der neuen Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) begrüßt, enger mit den Schulen gegen Jugendgewalt und Kinderkriminalität zusammenzuarbeiten.

„Das wäre sehr sinnvoll, auch damit Delikte schneller aufgeklärt und bestraft werden können“, sagte Karla Werkentin, Leiterin der Weißenseer Heinz-Brandt- Hauptschule und ehemals grüne Stadträtin, am Sonntag. Zwar arbeite ihre Schule bereits seit Jahren gut mit der Polizei und den Jugendämtern zusammen. Einmal in der Woche sei der Präventionsbeauftragte der Pankower Polizei bei ihr und spreche mit den Schülern. Zudem gibt es monatliche runde Tische, bei denen Vertreter der Polizei, der Schule und des Jugendamtes über problematische Schüler sprechen, von denen es an Werkentins Schule viele gibt. „Aber trotz der guten Zusammenarbeit greifen die üblichen Muster bei vielen Jugendlichen einfach nicht mehr“, hat Werkentin festgestellt und kennt viele Fälle, in denen kriminelle oder gewalttätige Jugendliche sich von Ermahnungen und Sanktionen schon lange nicht mehr beeindrucken lassen. Deswegen sei alles zu begrüßen, was dabei helfe, den Jugendlichen die Grenzen des Erlaubten effektiver klarzumachen.

Lehrer anderer Schule klagten gestern darüber, dass sie bisher „gar nichts“ von Polizei oder Justiz über ihre Schüler erführen, wenn diese mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Selbst wenn ein Lehrer bei einer Tat in der Schule als Zeuge vor Gericht auftritt, erfährt er nicht unbedingt was über den Ausgang des Verfahrens – denn Prozesse gegen Jugendliche sind nicht öffentlich.

Ein Justizsprecher sagte, dass man Schulen „nur bei Taten mit Schulbezug“ über den Ausgang eines Strafverfahrens informieren dürfe. Eine Pflicht bestehe jedoch nicht. Schon im Mai hatten mehrere Schulleiter im Tagesspiegel „mehr Informationen von der Justiz über verurteilte oder straffällig gewordene Schüler“ gefordert. Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix hatte dies damals abgelehnt: Es mache keinen Sinn Schulen pauschal zu informieren, dies verstoße gegen den Datenschutz und bringe pädagogisch nichts. Ein Hauptschullehrer kommentierte das gestern so: „Die Gesetze sind aus einer Zeit, als die Welt noch in Ordnung war.“ Er erfahre nur durch Zufall von Straftaten: „Wenn ein Schüler zum Beispiel stolz mit einer Arreststrafe prahlt.“

Von der Aue hatte am Sonntag im Interview mit dem Tagesspiegel angekündigt, sie wolle die Zusammenarbeit von Justiz und Polizei mit Lehrern und Schulleitern verstärken. „Es muss eine deutlich bessere Koordination mit den Schulen geben.“ Kriminelle Kinder und Jugendliche seien ein „gesamtgesellschaftliches Problem, auf das alle zuständigen Stellen reagieren müssen“. Um junge Straftäter besser im Blick zu behalten, erwägt die neue Senatorin auch, die Jugend-Staatsanwälte regional aufzustellen, also Vorfälle nach Vierteln geordnet zu bearbeiten, damit die Zusammenhänge in Problemkiezen schneller erkannt werden können.

Zuvor hatten zwei Jugendrichter im Tagesspiegel bemängelt, dass sie immer wieder mit jungen Tätern zu tun hätten, die bereits lange vor ihrer Strafmündigkeit im Alter von 14 Jahren Straftaten begingen oder der Schule fern blieben – oft ohne spürbare Konsequenzen.

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