Berlin : Lehrer in den Ferien: Was sie wirklich machen

Annette Kögel

Drei Monate Ferien: Lehrer haben viel zu lange Urlaub. Dieser Überzeugung ist zumindest der Präsident des deutschen Arbeitgeberverbandes, Dieter Hundt. Sein Vorschlag: Um Unterrichtsausfall zu verhindern, sollten die Schulferien gekürzt und die Lehrer verpflichtet werden, zwei Wochen lang Fortbildungskurse zu besuchen - beispielsweise, um ihre Computerkenntnisse auszubauen. In Berlin waren die Reaktionen auf den Ferien-Vorstoß äußerst gemischt.

Schulsenator Klaus Böger bezeichnete die Anregung als "Schritt in die richtige Richtung". Elfi Jantzen von den Grünen schloss sich dem Vorschlag des Arbeitgeberpräsidenten an - mehr Verpflichtung für jene, die womöglich bei Fortbildungen bisher nicht als erste den Finger heben, sei zu begrüßen. Doch beide wiesen auch darauf hin, dass die meisten Fortbildungskurse in Berlin bereits nachmittags oder auch in den Ferien stattfinden.

Ganz anderer Ansicht ist die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Deren weiter als Lehrerin tätige Sprecherin Sigrid Baumgart war trotz Sommerferien zu sprechen. Studien zufolge liege die durchschnittliche Lehrerarbeitszeit bei 45 bis 50 Stunden pro Woche. Schon deswegen könne über Verkürzung der Ferien nicht diskutiert werden. Auch Elisabeth Willkomm, Vorsitzende des Landesschulbeirates, lehnte den Vorschlag als den schulischen Demokratieprinzipien wiedersprechende "Anordnung von oben nach unten".

Die nackten Zahlen: Vergleicht man die Ferientage der Berliner Lehrer mit den Urlaubstagen eines Durchschnittsarbeitnehmers, so sind es gut doppelt so viele. Doch Ferien sind kein Urlaub, sondern "unterrichtsfreie Tage", betonen die Lehrer immer wieder. Was macht man als Pädagoge denn nun eigentlich so in den Ferien? Der Tagesspiegel wollte das genauer wissen, hat sie gesucht und gefunden - Lehrer, die sich gerade nicht unter südlicher Sonne bräunen. Wir fragten sie, wie sie die Sommerferien 2000 verbringen.

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