Berlin : Lehrer müssen bald mehr arbeiten

REGINA MÖNCH

Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Senat vor dem Abschluß / Streik soll abgewendet werdenVON REGINA MÖNCH BERLIN.Ohne Mehrarbeit der Lehrer ist das nächste Schuljahr nicht mehr zu organisieren.Dies ist offenbar allen Beteiligten klar.Schulsenatorin, GEW und der Innensenator haben sich wieder an den Verhandlungstisch begeben und wollen noch in dieser Woche einen Kompromiß aushandeln.Er soll den drohenden Lehrerstreik abwenden, vor allem aber den Unterricht für über 400 000 Schüler sichern.Wie berichtet, müssen im kommenden Schuljahr wieder 900 Lehrerstellen gestrichen werden - was den Fachunterricht vor allem an den Oberschulen ernsthaft gefährdet.Verhandelt wird jetzt noch einmal über die Konditionen, zu denen Lehrer bereit wären, länger zu arbeiten.Fest steht jetzt schon, daß den Lehrern angeboten wird, ihre Mehrarbeit mit Arbeitszeitkonten abzugelten.Diese angesparten "Überstunden" könnten dann in den Jahren nach 2003 abgebummelt werden.Dann nämlich wird sich die Lage an den Berliner Schulen, jedenfalls sagen das Schulplaner, entspannen: Über ein Drittel der Lehrerschaft erreicht das Pensionsalter und Neueinstellungen in größerem Umfange werden möglich.Ebenfalls verhandelt wird jetzt, ob diese Mehrarbeit und ihr Ausgleich eine freiwillige Sache bleiben, oder ob es zur Pflicht gemacht werden muß, weil die Schulorganisation dies erfordert.Auch bei dem im März gescheiterten Kompromiß zwischen GEW und Senat war es um Mehrarbeit und "Arbeitszeitkonten" gegangen.Die Verhandlungen scheiterten dann jedoch, als die Gewerkschaft wie schon in früheren Jahren darauf bestand, die jetzt gültige Pflichtstundenzahl der Berliner Lehrer bis ins Jahr 2006 festzuschreiben.Damit hätte man künftige Parlamente an die Verhandlungsergebnisse binden müssen - was viele Abgeordnete ablehnten.Trotz schlechterer Ausstattung (größere Klassen) der Schulen ist die Berliner Lehrerarbeitszeit, verglichen mit anderen Bundesländern, noch moderat.Bis zu drei Unterrichtsstunden mehr müssen Lehrer dort geben.Damit hatte Schulsenatorin Stahmer nach den gescheiterten Verhandlungen argumentiert und angekündigt, die Zahl der wöchentlichen Pflichtunterrichtsstunden in Berlin differenziert zu erhöhen.Je nachdem, wie groß der Mangel an Fachlehrern bereits ist, hätten Lehrer zwischen einer halben Unterrichtsstunde (an Grundschulen) und zwei Stunden (Berufsschulen) mehr arbeiten müssen - ohne Ausgleich in späteren Jahren.Zusätzlich vergrätzt wurde die GEW noch damit, daß die von ihr anvisierte Zahl der Neueinstellungen - über 400 junge Lehrer - halbiert worden war, so daß Appelle an die Solidarität der Älteren mit den (arbeitslosen) jüngeren Lehrern wenig überzeugend klangen.Jeder Schulexperte weiß, daß hier jährlich mindestens 1000 junge Universitätsabsolventen an die Schulen geholt werden müßten, um die Überalterung der Lehrerkollegien zu vermeiden.Das stellt auch die Schulbehörde nicht in Abrede.Wie aus Senatskreisen verlautet, wird in den Verhandlungen geprüft, ob ein Einstellungskorridor für einige hundert Neulehrer geöffnet werden kann.

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