Berlin : Lehrer protestierten am Bahnhof

Aliki Nassoufis

Für ihre Proteste brachten die rund einhundert Lehrer gestern nicht nur Plakate und Trillerpfeifen mit zum Bahnhof Zoo, sondern auch Koffer und Reisetaschen. Die frisch ausgebildeten Pädagogen wollten auf den Umstand aufmerksam machen, dass sie so gut wie keine Chance haben, in Berlin eine Stelle zu bekommen. Sie reisten symbolisch aus der Hauptstadt ab. Eine von ihnen war Katherina Keestra. Die 26-jährige Referendarin hat kommende Woche ihre Abschlussprüfungen. Schon jetzt steht aber fest, dass sie von ihrer Spandauer Sonderschule nicht übernommen wird. „Und das, obwohl mehrere Kollegen zum Schuljahreswechsel gehen – Bedarf wäre also da“, so Keestra. Sie kam vor zwei Jahren wegen ihres Freundes von Gießen nach Berlin. Einen erneuten Umzug schließt sie nicht aus. „In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein würde ich sofort eine Stelle bekommen.“

Für das kommende Schuljahr müssten nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mindestens 750 Lehrer eingestellt werden, da im August etwa 12 000 Kinder mehr in die Schulen kommen, weil das Einschulungsalter auf fünfeinhalb vorverlegt wurde. Bildungssenator Klaus Böger (SPD) hatte noch im Sommer 2004 angekündigt, 1276 neue Lehrer an Berlins Schulen einzustellen. Mittlerweile sind nur noch 140 Stellen ausgeschrieben. Viele junge Lehrer werden deshalb wahrscheinlich in andere Bundesländer abwandern, in denen sie Stellen bekommen. Das kritisierte gestern die schulpolitische Sprecherin der Berliner CDU-Fraktion, Katrin Schultze-Berndt: „Die Bildung verlässt die Hauptstadt – und Rot-Rot schaut zu.“

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