Lehrerabwanderung : Kinderzulagen und weniger Pflichtstunden

Um Berlins Junglehrer zu halten, kursieren jetzt etliche Vorschläge. Doch schon die Auszahlung des 400-Euro-Zuschlags lässt auf sich warten.

Susanne Vieth-Entus

BerlinSchadensbegrenzung sieht anders aus: Während bundesweit über Berlins schlechte Lehrerbezahlung diskutiert wird, ist noch nicht einmal die gesichert: Der 400-Euro-Zuschlag, den eigentlich alle Junglehrer bekommen sollen, um wenigstens einen Teil der Differenz zu den Beamtengehältern auszugleichen, kann noch nicht ausbezahlt werden. Die Bildungsverwaltung begründet dies damit, dass die „internen Beteiligungsverfahren“ mit Senat und Personalräten nicht abgeschlossen seien. Die Lehrkräfte würden aber mit ihren Verträgen „schriftliche Absichtserklärungen“ bekommen, so Behördensprecher Kenneth Frisse.

Damit ist das Grundproblem aber nicht gelöst: Trotz der zusätzlichen 400 Euro liegt das Gehalt der angestellten Junglehrer noch rund 500 bis 700 Euro netto unter dem der verbeamteten Kollegen in Berlin oder Hamburg. Mit der Frage, wie Berlin ohne Rückkehr zur Verbeamtung die Bedingungen für den Lehrernachwuchs verbessern kann, beschäftigt sich kommenden Mittwoch die Senatsklausur.

Konkrete Vorschläge aus den Reihen der Tarifkommission der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gibt es bereits. Dazu gehört dem Vernehmen nach eine Rückkehr zur Kinderzulage: Die war beim Übergang vom Bundesangestelltentarif (BAT) zum Tarifvertrag der Länder (TVL) abgeschafft worden, was bei Familien mit zwei Kindern schon allein rund 160 Euro pro Monat ausmacht. Weitere 200 bis 300 Euro könnten mittels einer neuen Arbeitszeitregelung hinzukommen: Die Idee ist, dass jungen Lehrern eine geringere Unterrichtsverpflichtung auferlegt wird. Sie könnten ihr Gehalt dann dadurch anheben, dass sie ihre Arbeitszeit auf das Niveau der Beamten aufstocken, das regulär je nach Schulart bei 26 bis 28 Wochenstunden liegt.

Das ist aber noch nicht alles: Weitere „Bausteine“ für eine Überbrückung der Differenz wären etwa die Zahlung von Gesundheitsprämien, wenn man sich beispielsweise im Sportverein engagiert. Zudem soll sich der Senat mit der Frage beschäftigen, ob sich das Land in höherem Maße an den Sozialversicherungsbeiträgen beteiligen könnte.

Die GEW wollte sich gestern zu diesen kursierenden Vorschlägen nicht äußern, sondern zunächst dem Senat Gelegenheit geben sich zu positionieren. Fest stehe jedenfalls, dass man „kreuz und quer denken müsse“, wenn man die große Schere zwischen Beamten und Angestellten auch nur annähernd schließen wolle, sagte GEW-Sprecher Peter Sinram dem Tagesspiegel. Er rechnet mit baldigen Gesprächen zwischen den Gewerkschaften und dem Senat, da „der Druck jetzt auf dem Senat lastet“. Die Öffentlichkeit werde genau verfolgen, ob die Lehrer weiterhin Berlin verlassen oder aber bleiben.

Als „Luftnummer“ bezeichnete Sinram den Vorstoß des Senats für eine bundesweite Obergrenze bei den Gehältern. Das werde keinen Erfolg haben. Der Senat habe sich die Notlage selbst geschaffen. Der Regierende Bürgermeister habe etwaige Nachteile für Berlin stets bestritten, als es um die Abkehr von den bundeseinheitlichen Tarifen ging. „Die haben die Lawine auf sich zukommen lassen“, meint auch FDP-Bildungspolitikerin Mieke Senftleben. Sie begrüßt es aber, dass Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) bei der nächsten Sitzung der Kultusminister Anfang März in Stralsund die Forderung nach mehr Einheitlichkeit bei der Lehrerbezahlung thematisieren will.

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