LEHRERWORKSHOP : Jede Stunde ein kleiner Auftritt

Mehr Spaß beim Unterrichten: Beim Lehrerworkshop „Sprechen, Stimme, Präsenz“ der Tagesspiegel-Akademie zeigen Gerlinde Kempendorff und Lotte Greschik, wie es geht.

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ENDLICH FERIEN!
ENDLICH FERIEN!Foto: picture alliance / dpa

Raus hier, endlich Ferien! Darüber dürften sich die meisten Lehrer gestern ähnlich gefreut haben wie ihre Schüler. Während Schüler aber Meister im Verdrängen sind, ist den Lehrern klar: Es geht bald weiter – und dann kommen die alten Probleme wieder.

Die Erschöpfung zum Beispiel, die Heiserkeit, die Schwierigkeit, sich gegenüber aufsässigen Schülern durchzusetzen. „Der Schulalltag ist wahnsinnig stressig, deswegen sind Lehrer oft dauererschöpft“, sagt Musik- und Bewegungspädagogin Lotte Greschik. Sie weiß, wovon sie redet, denn sie arbeitet neben ihrer Tätigkeit als Auftrittscoach und Musiktheaterregisseurin auch als Lehrerin für Musik und Darstellendes Spiel an einem Gymnasium in Berlin. Und beobachtet bei ihren Kollegen, dass sie zwar ihre Arbeit grundsätzlich im Griff haben. „Aber sie könnten sich manches leichter machen.“

Wie das gehen kann, zeigen Lotte Greschik und die Sängerin Gerlinde Kempendorff beim Sommerworkshop „Sprechen, Stimme, Präsenz“ im Tagesspiegel. Drei Tage lang können sich Lehrer mit ihrer Wirkung, ihrer Sprache, den körperlichen Grundlagen für ein entspanntes Arbeiten beschäftigen – und zwar damit es ihnen beim Unterrichten ganz persönlich besser geht. „Lehrer sollen sich ja ständig didaktisch fortbilden und für andere da sein“, sagt Gerlinde Kempendorff, selbst studierte Lehrerin. „Unser Ansatz ist dagegen: Sie sollen das Gefühl haben, dass sie wirklich mal etwas für sich tun. Viele haben ja vergessen, dass das eigentlich ein schöner Beruf ist.“

Es fängt schon damit an, wie einer reinkommt. Eher beiläufig, in den Taschen kramend, mit dem Kopf noch im Lehrerzimmer? Oder aufrecht und gerichtet? „Gerichtet“, das ist so ein Wort, das Lotte Greschik gern benutzt. „Lehrer müssen gleichzeitig 30 Schüler im Blick behalten und mit Arbeitsmaterialien, Tafel oder Whiteboard hantieren“, sagt sie. „Das macht das gerichtete Sprechen, die gerichtete Energie schwierig.“ Und aus Sicht der Bewegungsexpertin formuliert sie: „Manche Lehrer sind einfach nicht richtig im Raum.“ Mit Atem-, Körper- und Präsenzübungen lässt sich hier mehr Bewusstheit schaffen. Stimmtraining hilft, einen Schultag ohne Heiserkeit zu überstehen. Und praktische Tipps gibt es nebenbei: „Viele schleppen viel zu große Taschen, die sie ungünstig tragen.“

Gerlinde Kempendorff, regelmäßige Dozentin an der Tagesspiegel-Akademie, hat beim Senatsprojekt „proschul“ Coaches geschult, die Schulen unter anderem in Personalentwicklung beraten. „In der Lehrerausbildung wird zu wenig auf Stimmbildung, Körpersprache, Energiearbeit geachtet“, sagt die Kabarettistin mit 30 Jahren Bühnenerfahrung. „Dabei kann man sich viel Ärger ersparen, wenn man hier fit ist.“

Kempendorff hat sogar ihre Doktorarbeit zu dem Thema geschrieben: In ihrem Buch „Lehrer und Kabarettisten“ (erschienen bei Lehmanns Media) weist sie darauf hin, dass der Beruf des Lehrers viele Ähnlichkeiten mit dem des Kabarettisten hat. „Jede Unterrichtsstunde ist ein kleiner Auftritt, mit Eröffnung, Höhepunkt und Finale“, sagt sie. Und beide Gruppen tun gut daran, die Chancen des Humors für sich zu nutzen. Denn oft hilft eine humorvolle Bemerkung, Situationen zu entschärfen und selbst mehr Spaß zu haben.

Lehrerworkshop „Sprechen, Stimme, Präsenz“ am 22., 24. und 25. Juli im Verlagshaus am Askanischen Platz, 270 Euro für Tagesspiegel-Abonnenten, sonst 290 Euro. Anmeldung und Infos unter Tel. 29021-520 oder hier.

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