Berlin : Lehrgeld kassiert

Durchsuchungen beim Bildungsträger Educon Staatsanwaltschaft geht Untreue-Verdacht nach

Potsdam/ Berlin - Die Potsdamer Educon-Gruppe, einer der größten privaten Dienstleister für Aus- und Weiterbildung in der Region Berlin-Brandenburg, steht im Verdacht, durch falsche Angaben jahrelang zu viel Fördergeld kassiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ließ gestern 22 Objekte des Bildungsträgers in vier Bundesländern durchsuchen, bestätigte Behördensprecher Thomas Köpping. 80 Beamte des Landeskriminalamts waren im Einsatz. Nach mehreren Strafanzeigen bestehe der Verdacht auf Subventionsbetrug, Betrug und Untreue, ermittelt wird gegen die Geschäftsführung und Mitglieder des Aufsichtsrats. „Die Tatvorwürfe betreffen fünf verschiedene Komplexe“, sagte Köpping.

Als möglicherweise geschädigte Einrichtungen nannte der Staatsanwalt unter anderem das brandenburgische Wirtschafts- und Bildungsministerium, die Landesagentur für Struktur und Arbeit (LASA) GmbH sowie die Arbeitsagentur. Es gehe beispielsweise um gezahlte Projektförderung und Zuschüsse für Personal und Schüler, so Köpping. „Es gibt den Verdacht, dass falsche Angaben gemacht worden sind und mehr Mittel ausgezahlt wurden als berechtigt.“ Nach ersten Erkenntnissen könnte die Schadenssumme im sechsstelligen Bereich liegen, hieß es weiter. „Wir prüfen nun, ob sich der Verdacht erhärtet“, sagte Köpping. Wegen des umfangreichen Aktenmaterials, das gestern sichergestellt wurde, sei mit langwierigen Ermittlungen zu rechnen, hieß es weiter.

Bei Educon wurden die Anschuldigungen gestern bestritten. „Wir kooperieren mit den Behörden, halten die Vorwürfe aber für nicht berechtigt“, sagte der Anwalt des Bildungträgers, Christoph Partsch. Bei der Educon-Firmengruppe sind laut Unternehmensangaben 400 Mitarbeiter beschäftigt. Die Educon AG hat mehrere Tochterfirmen, die Berufsausbildungen, Trainings und Schulungen anbieten. Weitere Standorte sind neben Berlin Düsseldorf, Bochum, Stuttgart, Leuna und Cottbus. Als Ehrenvorsitzende des Fördervereins der Gruppe wirbt Fernsehrichterin Barbara Salesch.

Das Bildungsministerium Brandenburg bestätigte dem Tagesspiegel gestern, dass genehmigte Ersatzschulen der Educon-Gruppe im Land seit dem Schuljahr 2006/2007 mehr als 17 Millionen Euro erhalten haben, dazu kamen geringe Summen für Lernmittel. Die Förderung richte sich nach der angegebenen Schülerzahl, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding. In der kommenden Woche werde die gemeldete Schülerzahl intensiv überprüft, kündigte Breiding an. HK

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