Berlin : Lehrstellen werden immer knapper

Wowereit will in Betrieben offensiv um Ausbildungsplätze werben

Aliki Nassoufis

Die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt nach Angaben der Handwerkskammer (HWK) Berlin dramatisch. In den vergangenen sechs Jahren reduzierte sich die Anzahl der Plätze in den Handwerksbetrieben von knapp 23 000 auf 19 000 im Jahr 2002. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) startete gestern deswegen eine Ausbildungsoffensive. Durch Werbung und gezielte Einzelansprache sollen Betriebe zur Annahme neuer Lehrlinge ermutigt werden.

„Das Handwerk ist die stärkste Säule unserer Wirtschaft“, sagt Wowereit. „Und sie muss es bleiben.“ Bei der konjunkturellen Gesamtlage sei es in diesem Jahr schwierig, jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu sichern. Die betriebliche Ausbildung bleibe jedoch sein oberstes Ziel. „Doch auch die Wirtschaft muss ihre Aufgabe erfüllen.“

Der Präsident der Handwerkskammer, Hans-Dieter Blaese, stimmt dem zu. „Wir dürfen nicht nur die wirtschaftliche Seite sehen: Wir haben eine gesellschaftliche Pflicht und können nicht nur nach dem Staat schreien.“ Wer heute eine Ausbildung absolviere, habe später größere Chancen auf einen Arbeitsplatz. „Das sind wir der Jugend schuldig.“

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin verzeichnet seit 2001 ebenfalls sinkende Zahlen im Ausbildungsplatzbereich. „Wir hoffen, dass die Ausbildungsplatzanzahl in diesem Jahr nicht dramatisch sinken wird“, sagt Stefan Siebner, Pressesprecher der IHK Berlin. Auch er appelliert an die Betriebe, Jugendliche auszubilden, auch wenn es zur Zeit keinen Bedarf gäbe. „In zwei bis drei Jahren sind die Jahrgänge weniger geburtenstark als heute“, sagt er. Die Betriebe handelten im Eigeninteresse, wenn sie heute Jugendliche ausbilden, die sie morgen suchen müssten.

Die Ursachen für die sinkenden Zahlen im Ausbildungsplatzbereich sind vielfältig. Vor allem die schlechte wirschaftliche Lage ist nach Angaben der IHK und der HWK verantwortlich für den Rückgang. Doch auch der Wegfall der öffentlichen Zuschüsse und die mangelnde Zahlungsmoral der Kundschaft stellen Hürden für die Betriebe dar.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) kündigte für den 7. April einen Ausbildungsgipfel unter Leitung des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit zuammen mit dem Arbeitsamt an.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben