Leiche 21 Monate versteckt : Mann soll Rente toter Mutter kassiert haben

Ein 39-Jähriger steht seit Montag vor Gericht. Zuerst soll er seine Mutter erstickt und dann ihre Leiche in einen Wohnwagen geschafft haben. 21 Monate lang bezog er danach ihre Rente.

Kerstin Gehrke
Richterhammer auf einem Tisch
Seit Montag steht Marian D. wegen Mordes an seiner Mutter vor Gericht. Er soll ihre Leiche versteckt haben, um ihre Rente weiter...Foto: dpa

Der Mann fuhr sich über den kahlen Kopf. „Ich habe sie sehr geliebt“, stöhnte der 39-Jährige. Fast wirkte er verzweifelt. Schnell aber wechselte der Ton. „Sie lag tot auf dem Bett, als ich nach Hause kam“, wiederholte er. „Ich war völlig entsetzt.“ Die Staatsanwaltschaft aber sieht den Fall anders. Marian D. steht seit Montag wegen Mordes vor Gericht. Er habe seine Mutter erstickt, um weiter ihre Rente zu kassieren. Fest steht: 21 Monate lang hatte er die Leiche in einem Wohnwagen in Hohenschönhausen versteckt. Der arbeitslose Mann strich neben seinen eigenen Sozialleistungen 43 500 Euro ein.

„Sie ist eines natürlichen Todes gestorben“, erklärte der Sohn. Er habe danach „nichts angeschafft, was seine Mutter nicht auch angeschafft hätte“, sagte die Verteidigerin. Schulden habe er begleichen müssen, die er und seine Mutter angehäuft hätten. “Wir hatten uns finanziell enorm belastet“, schilderte der Sohn. Auch der Wohnwagen gehörte dazu. Aber der Tod der Mutter sei für ihn „negativ“ gewesen. Er habe nicht gewusst, wie er alles bezahlen soll. Außerdem seien da seine Tiere gewesen. „Zehn Katzen, die hätte ich von Hartz IV doch nicht versorgen können“, sagte Marian D.

Nach Version des Sohnes hatte die Mutter zwei bis drei Tage vor ihrem Tod einen epileptischen Anfall. Er habe sie wie bei früheren Vorfällen „gehalten, versorgt und dann über ihren Schlaf gewacht“, sagte er. Komaähnlich habe sie im Bett gelegen, aber „friedlich geschnarcht“. Angeblich hätte sie keine ärztliche Hilfe gewollt, seine Mutter sei auch nicht mehr krankenversichert gewesen. Als er sie „eiskalt“ im Bett fand, habe er keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Er war aber Ermittlungen zufolge so sortiert, dass er bereits am nächsten Tag im Internet zwei Leichensäcke erstand.

Eine Woche lag die tote Frau in der Wohnung, in der sie seit 1999 gemeinsam mit ihrem berufs- und arbeitslosen Sohn lebte. „Dann brachte ich sie in meinen Wohnwagen“, gestand der Angeklagte. Er gab auch zu, dass er Unterschriften fälschte, um den Tod der Mutter zu verschleiern. Ihre Rente war mit rund 2400 Euro hoch. Zudem ging Marian D. in eigener Sache zum Jobcenter in Spandau. Als angeblich mittelloser Mann erschlich er mehr als 7000 Euro. „Ich wollte auf einen grünen Zweig kommen“, sagte D.

Nach 21 Monaten war es eine Bekannte des Sohnes, die zur Polizei ging. Er habe ihr gegenüber angedeutet, dass er „die Leiden der Mutter nicht ertragen konnte“, sagte die 53-jährige Zeugin. Sie sei davon ausgegangen, dass er der Frau „beim Sterben half“. Verbissen aber habe er sein Vorgehen bei der Rente verteidigt und erklärt: „Ich will ein Häuschen, das habe ich mir verdient!“ Der Prozess wird am 9. August fortgesetzt.

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