Berlin : Leichenmuseum in Berlin

Gunther von Hagens stellt in diesem Monat Antrag beim Senat

Theresa Bäuerlein

Die einen halten ihn für ein Genie, die anderen für einen Größenwahnsinnigen: Gunther von Hagens, der in seinen „Körperwelten“- Ausstellungen mit Kunststoff haltbar gemachte Leichen zeigt, will einem Teil seiner umstrittenen Werke einen festen Platz geben – und zwar gerne in Berlin. „Ich werde noch in diesem Monat einen entsprechenden Antrag an den Berliner Senat stellen“, sagte von Hagens am Donnerstag. Die Entscheidung über den endgültigen Standort will der „Leichenprofessor“ im Laufe dieses Jahres fällen, 2005 will er dann sein eigenes Museum eröffnen. Von Hagens machte klar, dass er nicht nur in Berlin nach geeigneten Orten sucht: Es kämen auch München, Mannheim und Hamburg infrage.

In Berlin war die „Körperwelten“-Ausstellung im Jahr 2001. Damals standen die Berliner sieben Monate lang Schlange, knapp 1,4 Millionen Besucher waren insgesamt im Postbahnhof. Bereits damals habe von Hagens über ein eigenes Museum in der Hauptstadt nachgedacht, heißt es beim Berlin Tourismus Marketing (BTM). Damals sei nichts daraus geworden. „Vielleicht ist es ja nun realistischer“, sagte BTM-Chef Hanns Peter Nerger. Der Erfolg der Ausstellung habe gezeigt, dass die Leute so etwas sehen wollten, so Nerger, der selbst nicht in der Ausstellung war. Christoph Stölzl sieht das anders. Der CDU-Vizepräsident des Abgeordnetenhauses hat die Ausstellung mit Interesse gesehen, ist aber gegen ein ständiges Museum. Zum einen, weil die plastinierten Leichen viele Menschen in ihrem religiösen Empfinden stören würden. Aber auch, weil die Ausstellung die Grenze zwischen Wissenschaft und Voyeurismus zu oft übertrete. Stölzl verwies auf die Präparatesammlung des Naturkundemuseums, das sich in einem „bedauernswerten Zustand“ befinde. Diese Sammlungen zu sanieren, sei wichtiger als ein neues Museum.

Von Hagens sagte bereits, dass die Darstellung seiner Leichen „wissenschaftlicher“ werden solle. Umstritten sind auch von Hagens’ Methoden der Leichenbeschaffung. Zwar sagt der Professor, der seinen Titel in China erwarb, dass alle ausgestellten Körper von freiwilligen Spendern stammten. Es ist jedoch erwiesen, dass die Medizinische Akademie von Nowosibirsk im Jahr 2001 über 50 Leichen zweifelhaften Ursprungs an sein Institut in Heidelberg geliefert hatte.

Verbieten lässt sich von Hagens’ Museum beim jetzigen Stand der Dinge offenbar nicht: „Wenn er eine private Ausstellung in Berlin machen will, können wir ihn nicht daran hindern“ , sagte Senatssprecher Michael Donnermeyer.

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