Leichtathletik : Mit Sicherheit an den Start der WM

Sportfieber und Schweinegrippe: Am Wochenende beginnt die Leichtathletik-WM – ein Großereignis auch für Polizei und Grippe-Experten.

Sabine Beikler/Hannes Heine
293299_0_dbac2658.jpg
Licht an. Rund um das Brandenburger Tor entstehen seit dem Wochenende das WM-Kulturstadion und die Tribünen für die...

Jeden Tag landen die weltbesten Sportler in Berlin, die WM-Hotels wurden längst zur Hochsicherheitszone erklärt. Ordner bewachen Tag und Nacht das Olympiastadion. Berlin bereitet sich akribisch auf den Start der drittgrößten Sportveranstaltung der Welt am Sonnabend vor: die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009. Und Sport- und Innensenator Ehrhart Körting (SPD) gibt sich optimistisch: „Es gibt keinen Hinweis auf mögliche Attentate während der WM – und wir rechnen auch nicht damit, sondern mit einer friedlichen Veranstaltung“, sagte er dem Tagesspiegel. Bund und Berlin hätten sich – wie bei internationalen Veranstaltungen üblich – zu speziellen Sicherheitsstandards verpflichtet: Bedienstete in „sensiblen Bereichen“ der WM-Hotels, in denen die Athleten untergebracht sind, seien Sicherheitsüberprüfungen unterzogen worden.

Etliche Polizisten sind während der WM im Einsatz. Für einzelne Tage – die Weltmeisterschaft dauert vom 15. bis 23. August – werde man aus anderen Bundesländern Verstärkung holen, sagte Körting. Das liegt allerdings weniger an der Leichtathletik-WM, sondern mehr an brisanten Risikospielen in der Zweiten Fußball-Bundesliga, die während des Turniers stattfinden: Am 15. August spielt der 1. FC Union in Köpenick gegen Fortuna Düsseldorf, nur ein Wochenende später, am 21. August, tritt Union gegen Rostock an. Die Polizeiführung wird nach einer Lagebesprechung am morgigen Mittwoch Details zum Großeinsatz während der WM bekannt geben. Ebenfalls am Mittwoch wird das WM-Verkehrskonzept vorgestellt. Die Straße des 17. Juni ist bereits gesperrt, die blaue Laufbahn rund um das Kulturstadion am nahen Pariser Platz wird heute geliefert und ausgerollt.

Schon jetzt sind die Hotels „Estrel“ in Neukölln und „Berlin, Berlin“ abgeriegelt. Dort ziehen viele der 2500 anreisenden Sportler ein, viele der 5000 freiwilligen Helfer stehen an Berlins Flughäfen bereit. Am Donnerstag soll dann das „Deutsche Haus“ – die Zentrale für die heimische Sport-, Show- und Politprominenz – im Sitz der Telekom am Gendarmenmarkt eröffnet werden.

Insgesamt werden mehr als 1000 private Sicherheitsleute zur WM im Einsatz sein, allein am Olympiastadion 550. Die anderen bewachen Hotels und Plätze für die WM-Feiern. An den Laufstrecken der Athleten sollen 900 Assistenten für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Das für die Veranstaltung verantwortliche WM-Organisationskomitee (OK) hält mehr als 40 Ärzte und 85 Physiotherapeuten bereit. Hinzu kommen schätzungsweise hunderte Sanitäter der Berliner Wohlfahrtsverbände. Der medizinische Stab der Veranstalter habe sich ausgiebig mit der Gefahr möglicher  Schweinegrippefälle befasst. „Wir sind gut darauf vorbereitet“, sagte Cem Herder, Sprecher des OK.

Innensenator Körting ist zuversichtlich, dass alle Eintrittskarten während der WM verkauft werden. „Es ist was los in der Stadt. Und viele werden Tagestickets kaufen“, sagte Körting. Er lehnte die Abgabe von verbilligten Tickets an Zuschauer strikt ab. Bislang sind die Veranstalter 300 000 der mehr als 500 000 Tickets losgeworden – Sportfieber ist also wenige Tage vor Beginn der WM noch nicht ausgebrochen.

„Es kommt alles schon, wenn es losgeht“, erklärte Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kürzlich. Schließlich sei die Stimmung auch vor der Fußball-WM im Jahr 2006 ähnlich skeptisch gewesen. Die Fanmeile am Brandenburger Tor war damals anfangs auch eher leer, bis spannende Spiele die Massen auf die Straßen ins Zentrum lockten.

Wowereit hat am Montag die größte Postkarte der Welt entgegengenommen. Sie besteht aus 2005 Fotos, die zur Vorbereitung auf die WM in 60 deutschen Städten gemacht wurden. Die Guinness-Buch-Redaktion bestätigte den Rekord. Die Postkarte ist demnach 5,59 Meter hoch und 8,29 Meter breit. Sabine Beikler/Hannes Heine

0 Kommentare

Neuester Kommentar