Berlin : Leichte Geste

Hermann Rudolph

schätzt einen kleinen Platz an der Friedrichstraße Eine Stadt lebt, im Guten wie im weniger Guten, von dem, was gebaut wird, ebenso wie von dem, was nicht realisiert wird. Muss man diese Weisheit in Berlin erst erläutern? Wie sähe die Stadt heute aus, wenn alles gebaut worden wäre, was Planer und Investoren im letzten Jahrzehnt so vorhatten? Sehen Sie!

Wir nehmen seit langem Abschied von dem kleinen Platz an der Ecke Unter den Linden / Friedrichstraße. Seine Bebauung ist beschlossen: ein Hotel, ein Bürohaus, irgendetwas, was wir gerade in Berlin dringend brauchen. Es schützt ihn nicht die Stadtgeschichte, denn in den alten, großen Zeiten der Linden gab es ihn nicht. Er ist erst zu DDR-Zeiten entstanden, kein Vorzeigeobjekt. Er öffnet nur die Friedrichstraße mit einer leichten Geste hin zu den Linden. Ein paar Bäume, eine Ahnung von öffentlichem Raum. Ein kleines Atemholen der Stadt.

Nun wird über die Pläne für die Bebauung wieder gestritten. Das verschafft dem Platz – wie die Dinge im Baugeschäft liegen – bestenfalls eine kurze Überlebensfrist. Trotzdem, wir fassen Mut. Wir glauben einfach, dass nun Zeit ist zu begreifen, was für ein Ärgernis es wäre, diesen Platz auszulöschen. Er tut den Linden gut, deren alte Straßenfront keineswegs geschlossen werden muss. Er bringt einen Hauch Urbanität in die neue Friedrichstraße. Die neue Lage gäbe die Möglichkeit, einen Fehler nicht zu begehen. Es muss nämlich nicht alles zugebaut werden. Wenn man sich das neue Berlin so ansieht, muss man diese Chance nutzen.

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