• Leider verrechnet: Katholiken fehlen noch mal 30 Millionen 2008 wollte das Erzbistum schuldenfrei sein, doch daraus wird nichts

Berlin : Leider verrechnet: Katholiken fehlen noch mal 30 Millionen 2008 wollte das Erzbistum schuldenfrei sein, doch daraus wird nichts

Berater von McKinsey entschuldigen sich für Panne beim Sanierungsplan

Martin Gehlen,Claudia Keller

Die Finanzkrise im Berliner Erzbistum wird sich bis weit ins nächste Jahrzehnt hineinziehen – geplant war es anders. Ursprünglich wollten die Katholiken laut Sanierungsplan der Beratungsfirma McKinsey Ende 2008 „weitgehend schuldenfrei“ sein. Nach den neuesten internen Kalkulationen der Kirchenleitung sind es bereits aber mehr als 30 Millionen Euro, die das Bistum nach 2008 aus eigener Kraft abtragen muss.

Bistumssprecher Stefan Förner bestätigt die Zahlen und dass es einen „weiteren Sanierungsbedarf“ gebe. Ähnlich wie zu Beginn des vergangenen Jahres sei nun ein zweites Mal ein „Lenkungskreis“ einberufen worden. Dieses Gremium soll nach weiteren Einsparmöglichkeiten suchen. Währenddessen lassen Kardinal Georg Sterzinsky und Generalvikar Peter Wehr ihre Mitarbeiter weiter im Glauben, in fünf Jahren sei alles überstanden. Wahrscheinlich wird die Sanierung länger dauern als die gesamte Fahrt in die Schuldenfalle nach der Wende 1989. Am Ende wird das Bistum etwa zwei Drittel seiner Mitarbeiter gekündigt haben.

Zu Beginn der Sanierung vor einem Jahr hatten sich die Schulden des Bistums abzüglich des Caritas-Fonds auf 126 Millionen Euro belaufen. 50 Millionen davon werden durch die anderen deutschen Bistümer abgedeckt, so dass der echte Eigenbeitrag des Erzbistums zu seiner finanziellen Gesundung gut 75 Millionen Euro beträgt. Einzig eine Unterdeckung des Pensionsfonds von 22 Millionen Euro werde 2008 noch verbleiben, hieß es vergangenen Juni.

Die neuen Zahlen aber bedeuten, dass die Berliner Katholiken 2008 – nach der Entlassung von 440 Mitarbeitern – erst etwa 60 Prozent der Sparstrecke zurückgelegt haben. Darum geht man im Generalvikariat inzwischen hinter vorgehaltener Hand davon aus, dass der Abbau von mindestens 250 weiteren Vollzeitstellen unumgänglich ist. Damit würde die vom Tagesspiegel Mitte März gemeldete Zahl von 180 Mitarbeitern noch einmal deutlich übertroffen. Bistumssprecher Förner kann das nicht bestätigen. Es seien noch keine Beschlüsse gefasst, sagt er. Stellenabbau sei nur eine Sparmöglichkeit, die geprüft würde. Außerdem bedeute Stellenabbau nicht unbedingt, dass Mitarbeiter entlassen werden müssten.

Die neue Lage wirft ein schlechtes Licht auf die Arbeit von McKinsey. Mitverantwortlich dafür, dass nun erheblich nachgebessert werden muss, ist ein Fehler, für den sich die Beratungsfirma inzwischen beim Erzbistum schriftlich entschuldigt hat. Die Sanierer hatten im Mai vergangenen Jahres vergessen, die Auswirkungen der ursprünglich für den 1. Januar 2005 geplanten Steuerreform in dem ersten Sanierungsplan zu berücksichtigen. Nachdem die Bundesregierung die Steuerreform dann auch noch auf den 1. Januar 2004 vorgezogen hat, stimmte bereits um die Jahreswende an dem für viel Honorar aufgestellten Zahlenwerk vieles nicht mehr. Dieses Versagen ist umso peinlicher, als McKinsey gerade dabei ist, sich als Chefsanierer für die gesamte Katholische Kirche in Deutschland zu etablieren. Eine Stellungnahme will McKinsey dazu nicht abgeben. Man gebe keine Auskunft über die Tätigkeit bei konkreten Klienten, heißt es in der Firmenzentrale in Düsseldorf.

„Es ist nicht in Ordnung, dass uns vorgegaukelt wurde, dass wir nach der Umsetzung des McKinsey-Planes Ruhe haben würden“, sagt Diözesanratsvorsitzender Hans-Jürgen van Schewick, der Laienvertreter der Berliner Katholiken. Er sieht jetzt nur noch einen Ausweg: Man müsse komplett umdenken und die Laien stärker zur Mitarbeit motivieren. Dies hätten schon vergangenes Jahr verschiedene Kirchenexperten geraten. Wenn man gezwungen sei, darüber nachzudenken, wie man mehr Leute für die Arbeit in den Kirchen begeistern könne, sei das ja „gar nicht so schlecht“.

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