Leihräder : Nextbike fährt Kritik an der Bahn spazieren

Ausschreibungsgewinner Nextbike schmäht den Konkurrenten mit einer Kampagne – und nutzt dafür die Werbeflächen an den eigenen Rädern.

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Sportsfeind. Nextbike ätzt auf seinen Rädern gegen die Konkurrenz.
Sportsfeind. Nextbike ätzt auf seinen Rädern gegen die Konkurrenz.Foto: Fatina Keilani

Im Konkurrenzkampf mit der Deutschen Bahn (DB) nutzt der Leihrad-Anbieter Nextbike die Seitenflächen seiner Räder für Schmähkritik. „Mit Steuermilliarden kann Bahn sogar Fahrrad“, steht da zum Beispiel, oder „Als schlechter Verlierer wird die Bahn nun Steuermittel-Riskierer“. Senat und Bahn weisen die Aktion zurück.

Die Vorgeschichte war: Nextbike hatte im Sommer gegen die Bahn den vom Land ausgeschriebenen Auftrag gewonnen, ein öffentliches Fahrradverleihsystem aufzubauen. Dafür gibt das Land Nextbike einen Zuschuss von anderthalb Millionen Euro. Doch statt einfach ihre Betonstationen abzutransportieren und die Niederlage zu verschmerzen, beschloss die Bahn, sich mit dem Discounter Lidl zusammenzutun und ein Konkurrenzsystem aufzuziehen. Zu den geplanten 5500 Nextbike-Rädern will sie 3500 Lidl-Räder im Stadtgebiet verteilen.

Das wiederum passt weder Nextbike noch dem Senat. Man habe der DB gegenüber mehrfach klar gemacht, dass der Berliner Markt zwei große, konkurrierende Fahrradverleihsysteme parallel nicht verträgt, hieß es vom Senat. Die Reaktion von Nextbike jedoch, auf 400 Fahrrädern Angriffe auf die Bahn zu platzieren, findet man dort ebenfalls daneben. „Wir haben unsere Skepsis bezüglich dieser Art der Kommunikation kundgetan, können aber einem privatwirtschaftlich agierenden Unternehmen nicht verbieten, so zu handeln“, sagte ein Sprecher. Die Kampagne sei nicht Teil des Landesauftrags, im Gegenteil, sie wäre nicht vertragskonform. Der Vertrag mit Nextbike beginne erst im Frühjahr.

Laut Bahn ist der erhobene Vorwurf zudem in der Sache falsch, denn für das Angebot werde kein Steuergeld verwendet, sagte ein Bahnsprecher. Die Bahn habe zwar Steuermittel vom Bund zugesagt bekommen, jedoch würden diese ausschließlich in den Schienenverkehr investiert.

Laut Nextbike ist die Kampagne mittlerweile gestoppt. „Die Kampagne war als temporäre Guerillakampagne präsent und wurde diese Woche beendet“, teilte Marketingfrau Mareike Rauchhaus mit. „Mit dieser haben wir plakativ und mit einem Augenzwinkern Stellung gegenüber dem überraschenden Aufschlag von Call a Bike bezogen.“ Verschwunden sind die Räder aber nicht. Ein kurzer Check an der Leihstation vor dem Tagesspiegel- Haus am Askanischen Platz ergab: Es stehen neun Räder dort, und eins trägt den eingangs zitierten Spruch.

Auch die Bahn bestätigt, die Kampagne müsse wohl noch laufen: „Hier vor dem Bahn-Tower stehen jedenfalls noch Räder mit Kritik an uns“, schilderte ein Mitarbeiter. Fatina Keilani

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