Berlin : Leinenzwang im Grunewald?: PRO von Amory Burchard

Der Grunewald ist der stadtnaheste umwaldete See Berlins. Bewohner der westlichen Hemisphäre machen sich geradezu automatisch dorthin auf, wenn es sie spontan in die Natur zieht. Ein Blick auf den Stadtplan - ja, wo könnten wir denn mal - und schon sind wir unterwegs. Von Hundeauslaufgebiet steht da nichts.

Arglos wandern wir los. Einzelne frei laufende Hunde auf dem Weg zum Uferwanderweg machen uns noch nicht stutzig. Zufällig gehen sie bei Fuß oder hetzen gerade irgendwelche Waldtiere durchs Unterholz. Aber dann kommt es dicke: Hinter uns ein Hecheln, neben uns ein Wuff, mitten auf dem Weg eine Hunde-und-Herrchen-Blockade. So viel frei laufender Hund war nie auf einem Haufen.

Zum Thema Ted: Leinenzwang an den Grunewaldseen? Die alte Angst vor Hunden, ein Anflug von Ekel steigt hoch. Die Bitte, die Hunde beiseite zu nehmen, stößt auf Verständnislosigkeit der so genannten Hundehalter: "Hier ist Auslaufgebiet!" Diesen Das-ist-unser-See-Blick muss man gesehen haben, um die Weite der Hundefreundeseele zu erfassen. Jogger haben eigentlich keine Zeit für solche Betrachtungen. Sie wollen weiter, und zwar in ihrem Tempo. Die Armen, wie viel Mut brauchen sie für ihren Slalom durch die Hundemeute. Nun könnten wir ja sagen: Nie wieder Grunewaldsee! Dann gehen wir eben die paar hundert Meter weiter zur Krummen Lanke oder zum Schlachtensee. Dann stellt sich heraus: Auch dort darf Hund ohne Leine. Und zwischen den Seen und im Wald auch! Angesichts des schleppenden Fortgangs der Berliner Hundegesetzgebung, die den Leinenzwang ohne Wenn und Aber diktieren würde, muss es gebetsmühlenartig wiederholt werden: Hunde gehören in der Stadt und in Naherholungsgebieten an die Leine. Auslaufgebiete müssen klar ausgewiesen und begrenzt sein, am besten auch umzäunt.

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