Leipziger Platz : Fünf Jahrzehnte Brache - jetzt wird gebaut

Nach langem Streit um die ehemaligen Wertheim- Grundstücke stellten der Senat und der Investor Orco die Pläne für den Leipziger Platz vor. Baubeginn für das 250 Millionen-Euro-Projekt soll im Frühjahr 2009 sein.

Matthias Oloew
Wertheim-Grundstück
Auf den ehemaligen Wertheim-Grundstücken sollen in einem Jahr die Bagger anrollen. -Simulation: Kleihues & Kleihues

Das jahrelange Gezerre um die Bebauung eines der prominentesten Grundstücke in der Berliner Innenstadt geht zu Ende. Am Mittwoch stellte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher mit der Investorengruppe Orco die Ergebnisse eines städtebaulichen Wettbewerbs für das ehemalige Wertheim-Areal am Leipziger Platz vor. Jan Kleihues konnte die Jury mit seinen Ideen überzeugen, die nun zügig in gültiges Baurecht umgewandelt werden sollen. Baubeginn für das 250 Millionen- Euro-Projekt soll im Frühjahr 2009 sein – gut 53 Jahre nach dem Abriss der Ruine des alten Wertheim-Kaufhauses.

Kleihues entwarf ein komplexes Gebilde mit Läden auf drei Etagen, sowie Büros und Wohnungen in den oberen Geschossen. Mit insgesamt rund 70 000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist fast doppelt so viel Platz wie in den Potsdamer Platz Arkaden (40 000 Quadratmeter). In den zwei Tiefgaragenebenen können zwischen 760 und 970 Autos parken. Eine Promenade, die vis-à-vis des Bundesrats durch das Gelände führen soll, wird aller Voraussicht nach überdacht. Alle anderen Dächer werden allesamt begrünt, zwischen den turmartigen Wohngebäuden (keines soll höher als die am Platz üblichen 35 Meter werden) sollen sogar ausgewachsene Bäume gedeihen können. Am Leipziger Platz könnte ein kleines Kaufhaus einziehen, ansonsten sind Läden unterschiedlicher Größe entlang der von Arkaden flankierten Leipziger Straße, im Inneren des Komplexes und entlang der 120 Meter langen und bis zu 24 Meter breiten Passage geplant.

Christian Köhler, Geschäftsführer der Orco-Projektentwicklung, will mit der Daimler-City und dem Sony-Center gleichziehen und ein „attraktives Dreieck“ bilden. Die Überbauung des Tunnels der U-Bahnlinie 2, der unter dem Grundstück verläuft, sei technisch kein Problem. Regula Lüscher wünscht sich ein Viertel, das „eine hohe Lebens- und Wohnqualität bietet“ und dessen Wohnungen „nicht in einer Shopping-Mall“ enden“. Der Juryvorsitzende Christoph Langhof hofft, „dass am Ende etwas herauskommt, auf dem Niveau, das es hier schon einmal gegeben hat“. Er meint das abgerissene Kaufhaus von Alfred Messel.

Um die Brache wird seit der Wiedervereinigung gestritten. Zunächst wähnte sich der Bund als Eigentümer und wollte das Areal über die bundeseigene Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) verkaufen. Die Pläne des Ehepaars Kottmair (siehe Chronologie unten) scheiterten ebenso wie der Versuch der TLG aus dem Jahr 2001, das Gelände selbst zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt erhoben die Erben der Kaufhausfamilie Wertheim Ansprüche auf die Grundstücke. Der Bund trat 2003 zurück, der Karstadt-Konzern unterlag in einem Prozess gegen die Erben. Ende 2006 verkauften die Wertheim-Erben schließlich an Orco. Damit sind nun zum ersten Mal Pläne von einem Investor vorgestellt worden, der auch tatsächlich Eigentümer des knapp 22 000 Quadratmeter Brachlands ist.

Grundlage für die Bebauung ist bis dato der städtebauliche Entwurf des Büros Hilmer und Sattler für den Leipziger und Potsdamer Platz aus dem Jahr 1991. Diesen Plan für die ehemaligen Wertheim-Flächen zu überarbeiten, war das Ziel von Orco, dessen Geschäftsführer Rainer Bormann die bisherigen Pläne, wie er unlängst sagte, „nicht sexy genug“ waren. Zusammen mit der Senatsbauverwaltung lobte Orco einen neuen Wettbewerb aus, und lud dazu neun Architektenbüros ein. Die Jury entschied sich am Dienstag einmütig für die Kleihues-Pläne.

An den Eckdaten hat sich dabei nichts verändert: In rund 55 Prozent der Fläche sollen Läden ziehen, 30 Prozent ist dem Wohnen vorbehalten, der Rest ist für Büros oder einen Wellnesstempel vorgesehen. Ob die Häuser tatsächlich so aussehen, wie von Kleihues entworfen, ist hingegen offen. Selbst Kleihues wirbt dafür, weitere Architekten zu beauftragen, um einen unterschiedlichen Charakter zu gewährleisten. „Renzo Piano hat bei Daimlers zu viel selbst gemacht“, sagte er. „So ist dort eine Einheitlichkeit entstanden, die wir hier vermeiden wollen.“

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