Leipziger Platz : Nachbarn blockierten Neubauten - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren standen den Neubauten auf der letzten Brache am Leipziger Platz nur noch die Nachbarn im Wege. Dennoch beantragte der Entwickler des Wertheim-Grundstückes Harald Huth eine Baugenehmigung für ein großes Kaufhaus, Wohnungen und Büros. Was Ralf Schönball damals darüber schrieb.

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Den Neubauten auf der letzten Brache am Leipziger Platz stehen nur noch die Nachbarn im Wege. Dennoch hat der Entwickler des Wertheim-Grundstückes Harald Huth eine Baugenehmigung beantragt für ein großes Kaufhaus, Wohnungen und Büros. Der Bebauungsplan für das 450 Millionen Euro teure Projekt wurde vom Senat im November vergangenen Jahres verabschiedet. Gegen den Widerstand der Opposition. Die Grünen erinnert der Druck, mit dem Genehmigungen auf den Weg gebracht werden, sogar an die Affäre um die Bebauung des Spreedreiecks an der Friedrichstraße.

Der Leipziger Platz stand am Mittwoch auf der Agenda des Bauausschusses des Abgeordnetenhauses. Entwickler Huth sagte den Politikern: „Wir wären in der Lage, innerhalb von sechs bis acht Wochen mit dem Bau zu beginnen.“ Und innerhalb von drei Jahren könnten die Neubauten mit einer Fläche von 152000 Quadratmetern realisiert werden.

Noch wird das Bauvorhaben allerdings von drei Nachbarn blockiert. Die Grundstücks- und Hauseigentümer verhandeln Insidern zufolge sowohl mit dem Senat als auch mit Huth, um Zugeständnisse bei eigenen Projekten herauszuschlagen. Dabei geht es um die Erweiterung benachbarter Bauten in dem einen Fall und in dem anderen um Zugeständnisse des Senats bei bestehenden Planungen. Im Ausschuss äußerte sich Huth dazu nur knapp: Man sei mit einem Nachbarn „auf der Zielgeraden“ mit zwei anderen spreche man. Es gebe allerdings „Widersprüche gegen Bauvorbescheide“.

Staatssekretärin Hella Dunger-Löper ergänzte, es seien ihr „keine Klagen bekannt“. Allerdings wurde im Bauausschuss auch deutlich, dass Klagen zurzeit überhaupt nicht möglich sind, weil der Bebauungsplan noch gar nicht förmlich „festgelegt“ ist. Ein Mitarbeiter von Dunger-Löper sagte, dass die Verwaltung Bebauungspläne „nicht selbst zeichnen“ könne und diese deshalb von externen Büros bearbeitet würden. Diese Aufträge würden von Investoren mitfinanziert.

Am Rande des Ausschusses sagte der Bauexperte der Grünen, Andreas Otto: „Es ist der Eindruck entstanden, dass besondere Eile bei der Bearbeitung der Baugenehmigung an den Tag gelegt wurde, weil man den Investor unterstützen wollte.“ Das erinnere an die Vorgänge um das umstrittene Spreedreieck an der Friedrichstraße. So sei zur Genehmigung der „überdimensionierten Verkaufsfläche“ nur ein Gutachten bekannt, das der frühere Grundstückseigentümer Orco beauftragt hatte. „Da stellt sich die Frage: Wer begutachtet die Stadtverträglichkeit des Projektes, der Investor oder der Senat?“ Auch Jutta Matuscheck (Linke) sieht eine „enorme Konzentration“ von Einzelhandel am Leipziger Platz. Experten aus der Branche erhofften sich davon aber eine „Belebung des Zentrums“.

Im Ausschuss bezifferte Huth die im städtebaulichen Vertrag vereinbarte, reine Verkaufsfläche mit 36 000 Quadratmetern. Dies sei so auch in dem Ende März eingereichten Bauantrag eingeflossen. Der Lieferverkehr für die Läden werde über die Voßstraße gelenkt und sei auf die Zeit zwischen 6 Uhr und 10 Uhr morgens beschränkt. Da der größte Teil der 160 neuen Wohnungen in dem Quartier an der Voßstraße liege, strebe er möglichst wenig Verkehr an. Staatssekretärin Dunger-Löper zufolge kann die Voßstraße den zusätzlichen Verkehr aufnehmen. Anwohner-Initiativen hatten dagegen starke Bedenken geäußert.

Staatssekretärin Dunger-Löper sagte vor der Erteilung einer Baugenehmigung müsse noch ein „Konflikt“ gelöst werden. Die Durchwegung des Wertheim-Areals sehe zwar ein transparentes Glasdach vor. Dieses dürfe aber nicht die Sichtachten auf den öffentlichen Raum stören. Über die bisher geplanten Glasseitenwände müsse man deshalb noch verhandeln.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren".

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