Berlin : Leise Plattenspieler

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Nicht zu laut, aber gut, nicht aufdringlich, sondern anregend: „Der Bass soll einem ja nicht die Gedärme rausdrücken”, sagt Ralf. „Man möchte in Bars eine angenehme Atmosphäre durch gute Musik haben“, erklärt der 38-Jährige: „Aber die Gäste sollen trotzdem quatschen können.“

Immer mehr Bars und Kneipen legen Wert auf Musik, und wenn sie nicht genug Platz zum Tanzen haben, stellen sie sich einen DJ und einen Plattenspieler in die Ecke. Das verleiht eine besondere Note – und die Gäste hören so manches skurrile Lied, das eben nicht tanzbar wäre. Genau darum kümmert sich Ralf, der gelernte Webmaster, wenn er in seiner abendlichen Freizeit der Berufung zum DJ nachgeht. Dann nennt er sich „Lonesome Rolf“ und punktet mit einem Repertoire voller Überraschungshits. „Als eingefleischter Schlagerfan habe ich mir mittlerweile eine riesige Plattensammlung von Flohmärkten zusammengetragen“, sagt er. Sein Steckenpferd ist übrigens der Seemannsschlager. Es sind Kneipen wie das Konrad Tönz, das Zosch oder die Z-Bar, die auf diese Mischung setzen, die neben Schlagern auch jazzige Stücke aus den 60ern und frühen 70ern umfasst. Ralf schwärmt: „Hauptsache, eine geile Beat-Orgel ist mit von der Partie.“

Um ruhige Töne, monotone und coole Beats kümmert sich die Philosophiestudentin Anna. Ihren Bestand an HipHop, House und Jungle bekommen die Fans in der Mittwochs-Bar in Mitte, auf Privatpartys oder in illegalen Kellerkneipen zu hören. „Seit einigen Jahren ist es angesagter, dass die Leute rumhängen, Musik hören und quatschen, anstatt riesige Partys zu machen und tanzen zu gehen“, ist ihre Erfahrung.

Der 29-jährige Frank hat sich dem Funk, Beat aus den 60ern, Garage, Surf und Punk verschrieben. Auch für den Drehbuchautor mit Ziegenbart sind die Mono-Plattenspieler des Konrad Tönz beliebtes Ziel für seine Scheiben. „Das Anti-Programm zum Super-DJ der Techno-Szene geht hier ab. Wir Plattenspieler-DJs nehmen uns selbst nicht so ernst”, sagt er.

Trotz unterschiedlicher Musikrichtungen verbindet die drei doch eines: Für Geld machen sie es nicht. „Hauptsache, Freigetränke und ein bisschen Kohle ist drin, damit man sich ein paar neue Platten leisten kann“, sagen die DJs übereinstimmend. Die beste Belohnung für all die Mühe ist es, wenn der eine oder andere Gast anfängt, durch den Raum zu grooven. Wiebke Heiss

Konrad Tönz, Falckensteinstraße 30, (Kreuzberg), Zosch, Tucholskystraße 30 (Mitte), Z-Bar, Bergstraße 2 (Mitte), Mittwochsbar, Pappelallee (Prenzlauer Berg), Ex, Mehringhof in der Gneisenaustraße (Kreuzberg)

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