Berlin : Leise Töne bei Verdi

Gewerkschaft muss noch für neuen Tarifabschluss werben

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Nur noch die Hälfte der Zeit arbeiten, aber 80 Prozent des Gehaltes erhalten – zu diesen Bedingungen können künftig die Beschäftigten der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihre Arbeitszeit reduzieren. Der Berliner VerdiGeschäftsführer Roland Tremper ist „ganz schön stolz“ auf die Regelungen, die Bundesvorstand und Betriebsrat ausgehandelt haben, um die aufgrund des Mitgliederschwundes zu hohen Personalkosten zu senken. Wenn allerdings zu viele seiner Mitarbeiter von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, könnte Tremper vor dem Problem stehen, Stellen neu besetzen zu müssen. Denn anders als in anderen Städten hat Verdi in Berlin mit 120 Mitarbeitern keinen Personalüberhang. Hier wurden schon in den letzten Jahren genügend Stellen abgebaut.

Allerdings hat auch Verdi-Berlin mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. In den letzten zwei Jahren hat die Gewerkschaft fünf Prozent ihrer Mitglieder verloren. Tremper führt dies vor allem auf den Arbeitsplatzabbau in dieser Zeit zurück. Aus der Gewerkschaft sind aber auch selbstkritische Töne zu hören.

Manche Gründe für den Verdruss in den eigenen Reihen seien hausgemacht. So biete gerade die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ihren 160000 Berliner Mitgliedern zu wenig Dienstleistungen. Zum anderen hätten die Diskussionen um das hohe Gehalt des Bundesvorsitzenden Frank Bsirske sowie den Sitz der Bundeszentrale am Potsdamer Platz kontraproduktiv gewirkt. „Wenn überall gespart werden muss, kann so etwas nur schwer vermittelt werden“, heißt es.

Derzeit müssen die Berliner Verdi-Funktionäre ohnehin noch ihren Mitgliedern im öffentlichen Dienst erklären, warum diese auf Geld verzichten müssen. Auf den derzeitigen Personalversammlungen werden sie mit manchen kritischen Fragen konfrontiert. Während aus dem größten Verdi-Landesbezirk Nordrhein-Westfalen in Sachen Lohnforderungen schon wieder starke Töne – „Ende der Zurückhaltung“ – kommen, müssen die Gewerkschafter hier in der Stadt eben noch bei der Basis Überzeugungsarbeit für den in Deutschland einmaligen Berliner Tarifabschluss leisten.

Über die nächste Tarifrunde im öffentlichen Dienst, die Anfang 2005 bundesweit wieder beginnt, will man sich in Berlin erst im nächsten Jahr Gedanken machen. Aber eines stellt Verdi-Chefin Susanne Stumpenhusen klar: Ein weiteres Sonderopfer der Berliner Beschäftigten wird es nicht wieder geben. „Wir haben immer schon gesagt, dass der Haushalt nicht auf Kosten des öffentlichen Dienstes konsolidiert werden kann“, sagt Geschäftsführer Roland Tremper. sik

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