Berlin : Leiser Marktführer

Umlauf & Klein ist Berlins größter Modehersteller

Grit Thönnissen

Dauerfrost in Berlin, die Hauptstädter mummeln sich in ihre Mäntel. Ein großer Teil davon wurde vermutlich in Berlin entworfen, denn mit Umlauf & Klein hat der größte deutsche Mäntel- und Jackenhersteller seinen Sitz an der Spree. Man kann die Produkte in über 60 Berliner Geschäften kaufen. Auch wenn Umlauf & Klein ein 1951 gegründetes Traditionsunternehmen ist – die Produktion wurde schon vor Jahrzehnten ins Ausland verlagert. Genau genommen begann die Globalisierung des Konfektionsbetriebs mit dem Bau der Mauer.

Über Nacht fielen die Zwischenmeistereien im Osten der Stadt aus, die bis dahin einen Teil der Produktion in Händen hatten. Also ließen die Gründer Willi Klein und Paul Umlauf ihre Kollektionen erst in Polen, dann in Ungarn und Russland und seit 20 Jahren in Asien nähen. „Wir waren die Ersten, die dort fertigen ließen“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Wessel. „Deshalb haben wir überlebt.“ Er spricht von dem großen Konfektionsbetriebssterben in Berlin, das Ende der 60er Jahre begann. Damals gab es noch rund 270 Betriebe in Berlin mit etwa 26 000 Angestellten. Heute haben nur noch zwei Unternehmen aus dieser Zeit hier ihren Sitz – die Frank Henke GmbH und eben U & K.

Nicht umsonst werden sie in der Fachpresse gern als der „Stille Riese“ tituliert. Wessel gefällt das, er will nicht mit Modenschauen auf sich aufmerksam machen. „Schließlich sind wir nicht Karl Lagerfeld. Wir sind Bekleidungsindustrie.“ Die Zielgruppe, Frauen ab Mitte dreißig, wolle solide Qualität zu einem reellen Preis, keinen Schnickschnack.

Zahlen gibt Umlauf & Klein nur ungern heraus – die Höhe des Jahresumsatzes das erste und letzte Mal vor fünf Jahren. Da lagen die Einnahmen bei 150 Millionen Euro. Aktuell werden fast 10 Millionen Bekleidungsstücke pro Jahr produziert, die Exportquote liegt bei 48 Prozent. Von der Berliner Zentrale wird die Produktion von drei Kollektionen mit 170 Mitarbeitern koordiniert. Die Bekleidung wird seit vier Jahren unter dem Markennamen „concept uk“ ausgeliefert. „Das klingt doch moderner“, findet Wessel. Wenn Produkte von Umlauf & Klein in großen Warenhäusern wie Karstadt, Kaufhof oder C & A hängen, dann allerdings mit deren eigenen Etiketten.

Das mit der Berliner Tradition ist dem Unternehmen wichtig – schließlich sei Berlin der geografisch ungünstigste Standort in Deutschland, um Kleidung zu verkaufen, so Wessel. Aber Joachim Klein, der Sohn von Willi Klein und Mitglied der Geschäftsführung, ist nun mal ein Berliner mit Herz und Blut. Lieber als über Berlin als der neuen Modestadt, spricht Wessel über Expansion.

Seit dem ersten Januar gehört Umlauf & Klein 50 Prozent der Anteile am Einzelhandelsunternehmen Ursula Aust. 55 Aust-Geschäfte gibt es momentan in Deutschland. Eigene Geschäfte hatte Umlauf & Klein bisher nicht. In den nächsten Jahren soll die Zahl der Läden verdoppelt werden. Und im Herbst kommt die Herrenkollektion „Dellalui“, an der der Bekleidungshersteller ebenfalls mit 50 Prozent beteiligt ist, in die deutschen Läden. „Mehr“, sagt Wessel, „haben wir nicht in der Pipeline, jetzt müssen wir zeigen, dass sich unsere Investitionen gelohnt haben.“

Foto: promo

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