Berlin : Leiter der 15. Grundschule widerspricht Vorwürfen von Eltern

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Beim Rundgang durch das vor einem halben Jahr eröffnete Gebäude der 15. Grundschule in Alt-Stralau kann Schulleiter Wolfgang Kirschstein seinen Stolz kaum verbergen. Den weitläufigen Spielplatz, den Multimedia-Computerraum, die nagelneue Turnhalle - all dies möchte er allen Schülern zugänglich machen. Doch das ist nicht so einfach: Die neue Schule ist nur die Filiale, ein Teil seiner Schüler besucht weiterhin das alte Hauptgebäude in der Corinthstraße. Wie berichtet, werfen ihm einige Eltern dort vor, die ohnehin diskutierte Schließung des Standorts zu betreiben.

Von "Mobbing" der Lehrer war in einem offenen Brief die Rede, außerdem würden Schulveranstaltungen nur noch in Stralau stattfinden. Diese Vorwürfe einer Elterninitiative ärgern den Schulleiter. In den vergangenen Jahren habe er versucht, trotz der schwierigen räumlichen Situation in der Corinthstraße attraktive Angebote zu machen. In der mittlerweile wegen Baumängeln gesperrten Aula habe man unter widrigen Umständen Veranstaltungen abgehalten. Für sein Engagement habe er oft Lob von Eltern bekommen - daran, sagt er bitter, erinnerten sich einige jetzt nicht mehr. Und jetzt stehe doch die schönere Aula in Straulau zur Verfügung.

Ein Zankapfel ist auch der improvisierte Computerraum in der Corinthstraße. Nach Angaben von Eltern sind die Geräte ohne ihre Zustimmung entfernt worden, obwohl sie sie mitfinanziert hätten. "Halbwahrheiten", sagt Kirschstein, "Eltern haben mal einen alten Computer oder eine Tastatur mitgebracht - das waren aber Ausnahmen." Der Raum sei bei einer Sicherheitsprüfung beanstandet worden, und der vorschriftsmäßige Ausbau kosteüber 30 000 Mark - so viel wie der Lehrmitteletat eines Jahres. Der Unterricht soll darum künftig für alle im komplett ausgestatteten Computerraum der Filiale stattfinden. Noch scheitere dies an krankheitsbedingtem Lehrermangel.

Kirschstein bestreitet nicht, dass er zumindest mittelfristig eine Schließung der Corinthstraße befürwortet. Das habe aber neben den Vorteilen des Neubaus vor allem mit der Arbeitsorganisation zu tun. Den Beginn der Schulstunden in Stralau musste er um zehn Minuten verlegen, damit Lehrer pendeln können - auf ihre Pausen müssen sie verzichten. Außerdem sei der Unterricht an einer Grundschule mit jeweils nur einer Klasse pro Jahrgang - wie demnächst in der Corinthstraße - bei wenigen Lehrern ohnehin schwierig einzuteilen.

Mit der Problematik der zwei Schulstandorte sollten sich Eltern wie Bezirkspolitiker "sachlich" auseinandersetzen, fordert Kirschstein. Er hält am Einsatz von Schulbussen für den Pendelverkehr fest.

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