Berlin : Lektüre für Lokalpatrioten: Geschichten vom Teufelsloch

Katharina Körting

Es ist ein wenig unübersichtlich, eher etwas zum Blättern als zum gezielten Suchen. "Nikolassee einst Das Teufelsloch geheißen" lautet der recht umständliche Titel des Buches von Peter Gentzen, das pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum von Nikolassee erschienen ist. Umständlich gestaltet sich auch die Lektüre: Es gibt weder Inhaltsverzeichnis noch Gliederung, nicht mal ein Register, nur zwei undeutlich voneinander getrennte Teile: "Nikolassee zwischen 1242 und 1899" und "Nikolassee zwischen 1900 und 2000" - wobei der erste Teil mit gerade mal fünf Seiten naturgemäß ziemlich mager ausfällt. Und am Schluss werden noch einige bekannte Namen aufgezählt - nein, ein Wissenschaftler hat da nicht geschrieben, eher ein Liebhaber.

Zwar geht der Autor chronologisch vor, aber ein wenig ärgerlich ist die Lektüre dennoch - ein Buch wirklich nur für Heimatinteressierte, immerhin das erste ausschließlich über Nikolassee, das, wie wir erfahren, um 1910 bereits 1450 Einwohner zählte. 1920 wurde es aus dem Kreisverband Teltow herausgelöst und ein Teil von Zehlendorf, das wiederum nach Berlin eingemeindet wurde.

Bei der Recherche hat Gentzen einige Anekdoten aufgestöbert, etwa die über die "Bogenspannerin" vor dem S-Bahnhof Nikolassee. Kurz nachdem Die Bronzeplastik zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts aufgestellt worden war, hatten Unbekannte ihr einen Büstenhalter umgeschnallt. Unter dem Gelächter der Anwohner musste der Amtsvorsteher das Kleidungsstück wieder entfernen. Oder die Geschichte, wie der noch unbekannte Billy Wilder und vier andere Filmmenschen 1929 einen Handwagen vom Bahnhof Nikolassee zum Wannsee zogen, um eine alte Kamera zu transportieren.

Über Zehlendorfer Institutionen wie den Motorradtreffpunkt "Spinnerbrücke", das Strandbad Wannsee, das Museumsdorf Düppel oder den ehemaligen Grenzkontrollpunkt Dreilinden unterrichtet der Autor ebenso wie über einige prominente Bewohner: Joseph Goebbels und Gustv Fröhlich, die Schauspielerin Brigitte Grothum, den Schriftsteller Wolfdietrich Schnurre oder Claus Graf Schenck von Stauffenberg.

Wer die Geduld hat, sich durch die eng bedruckten Seiten des Taschenbuchs mit seinen vielen kleinen Abbildungen zu wühlen, wird einige interessante Entdeckungen machen - und erfahren, dass der Name "Nikolassee" wahrscheinlich auf den Heiligen Nikolaus, Patron der Fischer, Kinder, Förster und Jäger, zurückgeht. Noch früher - daher der Titel - hat der See im Volksmund "Teufelsloch" geheißen, weil aus dem Wasser aufsteigende Gase für Abergläubische Grund genug waren, an den Teufel zu denken. Abergläubisch ist man offenbar auch beim Verlag: Wie bei allen Büchern in dieser Reihe wird die Paginierung zwischen Seite 12 und Seite 14 unterbrochen.

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