Berlin : Lennart Meri ist in Berlin: Auf den Spuren der Kindheit

cvm

Lennart Meri war ein guter Schüler, wie die Zensuren belegen. Bei einem Besuch in seinem Amtssitz, in Schloß Katharinenthal am Rande der Hauptstadt Tallinn (Reval), holte vor kurzem der estnische Staatspräsident einen alten grünlichen Aktendeckel aus der Bibliothek mit der Aufschrift "Zeugnisse" hervor, "146. Volksschule" stand in altdeutscher Schrift auf dem Briefkopf der einzelnen Blätter. Stolz zeigte er auf die Bewertung "Schreiben 1".

Bis heute hält der estnische Staatspräsident seine Erinnerungen an die Berliner Schulzeit von 1934 bis 1938 in Ehren: Als Sohn des Legationsrats der estnischen Gesandtschaft ging er von seinem 5. bis zum 9. Lebensjahr im Diplomatenviertel in Tiergarten, Derfflingerstraße zur Schule. Im Rahmen seines Staatsbesuches will Lennart Meri heute auf den Pfaden seiner Kindheit wandeln: Er läuft seinen alten Schulweg zur Volksschule Nr. 164, der heutigen Grips-Schule, ab.

Auf dem Programm des Staatspräsidenten steht heute auch ein Besuch der künftigen estnischen Botschaft in der Hildebrandtstraße. In dem Gebäude befand sich schon vor dem Zweiten Weltkrieg die estnische Gesandtschaft - und auch die Wohnräume der Familie Meri. Das Haus wurde nicht zerstört, nur eben auch nicht mehr gepflegt, da die baltischen Staaten erst 1991 ihre Unabhängigkeit zurückgewannen. Das Haus wird zurzeit renoviert, in wenigen Monaten will die Botschaft einziehen.

Gestern Vormittag eröffneten Bundespräsident Rau und Meri eine "Telemedizin-Brücke" zwischen dem Berliner Uni-Klinikum Charité und der estnischen Uni-Klinik Tartu. Mit Hilfe dieses Projekts können Ärzte über 1000 Kilometer am Bildschirm bei kardiologischen Behandlungen zusammenarbeiten. Ziel des Projekts ist es, im Baltikum die Sterblichkeit von Säuglingen mit angeborenen Herzfehlern innerhalb von drei Jahren zu halbieren.

Während seines fünftägigen Deutschlandbesuches wird Lennart Meri Gespräche mit Bundeskanzler Schröder, Bundestagspräsident Thierse und dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Hans-Ulrich Klose, führen. Dabei dürfte es vor allem um den Wunsch Estlands nach baldiger EU-Mitgliedschaft gehen.

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