Berlin : Lernen im Einheitslook

Erste Grundschule Berlins führt Schulkleidung ein Studien zufolge soll das Sozialklima besser werden

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Spandau geht jetzt voran in Sachen „Schuluniformen“: Die Staakener Linden-Grundschule hat sich dafür entschieden, dass ihre Schüler mindestens einmal pro Woche einheitliche Oberteile tragen. Alle Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse werden ein blaues kurzärmeliges T-Shirt und eine Reißverschlussjacke tragen. Am morgigen Mittwoch wird die neue Schulkleidung vorgestellt. Künftig soll der Mittwoch der Tag sein, an dem alle den Dress tragen.

Der Beschluss der Schule kommt überraschend, weil die Spandauer FDP vor geraumer Zeit vergeblich Schulen gesucht hatte, die bereit sein würden, sich für eine einheitliche Oberbekleidung auszusprechen. Auch in Neukölln hatten die Liberalen versucht, Schulen zu finden – bislang erfolglos, auch deshalb, weil Eltern zusätzliche Kosten für Kleidung scheuten. Doch nun wird das, was an Berlins internationalen Schulen bereits üblich und an der Max-Dortu-Grundschule in Potsdam seit Jahresanfang Realität ist, erstmals langfristig an einer Berliner Grundschule umgesetzt.

Immer wieder hatte es Diskussionen gegeben über eine einheitliche Schulkleidung, wie sie in anderen deutschen Städten wie Hamburg teils schon lange üblich ist. Zuletzt hatte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) die Debatte durch ihre Forderung angeheizt, nicht nur wegen des Markenzwanges, sondern auch aus Gründen der Integration Andersgläubiger eine einheitliche Kluft einzuführen .

Doch Bildungssenator Klaus Böger, ebenfalls SPD, setzt bei diesem Thema auf Freiwilligkeit. Von oben verordnen will er den Einheitslook nicht, denn das sei für den pädagogischen Effekt kontraproduktiv. Da gibt ihm Oliver Dickhäuser recht. Der Professor für pädagogische Psychologie an der Uni Nürnberg erstellte eine Vergleichsstudie an zwei Hamburger Schulen. Das Ergebnis: Unter der Voraussetzung, dass sich Eltern und Lehrer einig sind, kann Schulkleidung vor allem an Grundschulen vieles bewirken: Die Kinder wachsen von Anfang an damit auf, dass Äußerlichkeiten nicht so sehr zählen. Wie bei einer Sportmannschaft stärke das Outfit das Zusammengehörigkeitsgefühl und verbessere das Sozialklima. Außenseiter würden besser integriert, fand Dickhäuser heraus. Das bestätigt auch Schulleiterin Gudrun Wurzler von der MaxDortu-Grundschule: „Gerade Migrantenkinder empfinden die Kleidung teils als Befreiung und tragen sie mit Stolz.“

Die Diskussion um eine einheitliche Schulkleidung hat der Tagesspiegel durch seinen Modellversuch entscheidend mitgeprägt. Der Versuch über zwei Monate mit zwei Klassen zweier Berliner Schulen wird noch heute für Diplom- und Staatsexamensarbeiten herangezogen – und als Bestandteil mehrerer Schulbücher in deutschsprachigen Ländern im Unterricht durchgenommen. sve/kög

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