Berlin : Lernen von und mit Mendelssohn

Das Jüdische Gymnasium feiert und benennt sich um.

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Am Sonntag begeht die Jüdische Oberschule das 20-jährige Jubiläum ihrer (Wieder-)Gründung. Sie trägt künftig den Namen „Jüdisches Gymnasium Moses Mendelssohn“. Zu dem Festakt haben sich die stellvertretende Bundestagspräsidentin Petra Pau, Kulturstaatssekretär André Schmitz und Bezirksbürgermeister Christian Hanke, der Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer, der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe und Rabbiner Yitshak Ehrenberg angesagt. Die Namensgebung wirkt auf den ersten Blick naheliegend, da der Patron die 1778 gegründete „Jüdische Freyschule“ für Kinder unterschiedlicher Milieus und Religionen inspiriert und begleitet hatte. Mendelssohns Vorstellungen von jüdischer Traditionstreue, die mit Begeisterung für die deutsche Kultur verbunden war, prägten das pädagogische Konzept. Er nahm dort an Prüfungen teil und schrieb, gemeinsam mit dem Schulgründer David Friedländer, das erste „Lesebuch für jüdische Kinder“. Die Texte unter anderem über „Grund-Artickel des Judenthums“, über die zehn Gebote sowie die „Andachtsübung eines Weltweisen“ stammen von ihm.

Dennoch sollte es zwei Jahrzehnte dauern, bis Verantwortliche der Jüdischen Gemeinde sich auf den Namen zu einigen vermochten. Eine öffentliche Ehrung Moses Mendelssohns ist allerdings auch anderorts schon misslungen. Vor kurzem scheiterte der Wunsch des Jüdischen Museums (JMB), den Philosophen als Patron für die Adresse der JMB-Akademie zu bestimmen, am Genderkonzept quotierter Straßennamen in Friedrichshain-Kreuzberg. Im Juni 2012 folgte schließlich die Repräsentantenversammlung dem Votum der Lehrer und Eltern, ihr Gymnasium nach Mendelssohn zu benennen. Der Festakt erinnert an die Gründung der Schule vor 235 Jahren wie an den Neustart der Oberschule im Schulhaus der ehemaligen Jüdischen Mittelschule: vor 20 Jahren, mit 27 Jungen und Mädchen. Heute sind es 421 Schüler. Thomas Lackmann

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