Leseraufruf : Was wurde aus Berlins erster Sprengmeisterin Hertha Bahr

Am Gendarmenmarkt werden kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges Häuser gesprengt. Die Aufsicht darüber hat Hertha Bahr - eine Berliner Pionierin.

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Noch bis in die 80er Jahre lag Bauschutt auf dem Gendarmenmarkt.
Noch bis in die 80er Jahre lag Bauschutt auf dem Gendarmenmarkt.Foto: Tsp-Berlin

Berlin, 1947. Rund um den Gendarmenmarkt werden auf russischen Befehl alte Häuser gesprengt. Etwa jenes des Kupferstechers Daniel Chodowiecki – eine Kupfertafel erinnert daran, dass er von 1777 bis zu seinem Tode in dem Haus gewohnt hat. Ein Tagesspiegel-Redakteur beschreibt die Szene, spricht von rostigen Eisenträgern, zerrissenen Leitungsdrähten die aus dem „blaßroten Mauertorso“ ragen. Dazwischen Menschen, über und über mit Kalkmehl bedeckt. „Plötzlich springt eine junge Frau aus der Ruine, von zwei, drei Männern gefolgt. Sie scheint gar nicht hierher zu gehören. Sie trägt eine grünseidene Bluse, ordentlich und nett frisierte Haare und sogar noch etwas roten Lack auf den Nägeln“, beschreibt der Autor die Dame zwischen dem ganzen Schutt. Und dann das: „Ehe man noch richtig fragen kann, sagt sie, daß sie die Chefin der Sprengfirma sei, und daß jetzt gleich etwas ‚umgelegt’ werde.“

Ihr Name, so geht es aus dem Artikel hervor, war Hertha B. – die erste Frau, die in Berlin ihre Sprengmeisterprüfung ablegte. In einem weiteren Artikel aus dem Januar 1953 wird sie dann auch mit vollem Namen genannt: Hertha Bahr, damals sogar Deutschlands einzige Sprengmeisterin.

In den Ausführungen zu den Sprengungen am Gendarmenmarkt nur kurz vor in dem Artikel, ein paar Zeilen für eine Pionierin - danach beschriebt der Autor mit dem Kürzel "ca", wie ein Vertreter des Arbeitsschutzamtes die katastrophalen Sicherheitsmängel der Zeit beschreibt. Kein roter Stoff für Absperrungen, "keine Kleidung, keine Seife, keine Schuhe". Dabei seien Schuhe besonders wichtig, denn Leute der Sprengtruppe von Hertha B. müssen flink sein. Vor kurzem sei ein Arbeiter mit seinen zerrissenen Solen am Schutt hängen geblieben und wäre beinah von einer einstürzenden Mauer erschlagen worden. Es gibt auch keine Handschuhe für die Arbeiter, die mit dem für die Sprengung benutzten flüssigen Sauerstoff hantieren.

Aber, was wurde denn nun aus der Berliner Sprengmeisterin Hertha B.? Wir wollen es gerne wissen.

Zeitzeugen und Nachfahren vor, melden Sie sich, wenn Sie von der Sprengmeisterin Hertha B. gehört haben. Wir wollen mehr herausfinden und freuen uns über Ihre Hinweise unter leute@tagesspiegel.de. Den ganzen historischen Artikel und Weiteres aus der Nachkriegszeit können Sie übrigens hier lesen: twitter.com/Erik_Reger

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