Leserdebatte : Braucht Berlin eine neue Landesbibliothek?

  • Der Senat plant den Bau einer Zentral- und Landesbibliothek auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Tempelhof. 44 Architekten haben Vorschläge zur Gestaltung gemacht. Christine... - Visualisierung: Christine Kreplin und Hubertus Duwensee
  • Die Entwürfe wurden im Format 40x40 Zentimeter eingereicht. Wasco Wruck hebt in seinem Entwurf den Kontrast zum monumentalen nationalsozialistischen Präsentationsbau am Tempelhofer... - Visualisierung: Wasco Wruck
  • Das Büro BOLLES+WILSON aus Münster verteilt die Bibliothek an die vier Enden der Rollbahnen vom Flughafen Tempelhof. - Visualisierung:BOLLES+WILSON

Eine gut angelegte Investition oder rausgeschmissenes Geld? Der Senat plant den Bau einer großen Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld. Wie denken Sie darüber? Diskutieren Sie mit!

PRO:

Wer eine moderne Zentralbibliothek sucht, die allen Informations- und Medienbedürfnissen gerecht wird, wird in Berlin nicht fündig. Bei allem Respekt vor der Amerika-Gedenkbibliothek und deren stolzer Geschichte, aber das Haus ist im Lauf der Jahre ein Denkmal seiner selbst geworden. Zu klein, altmodisch und trotzdem teuer im Betrieb. Auch die Stadtbibliothek in Mitte ist ein Provisorium. Andere Metropolen machen es längst vor: Amsterdam und Utrecht, San Francisco und Seattle, Oslo und Singapur. Um nur einige Beispiele zu nennen. Die neuen Zentralbibliotheken, die den internationalen Trend bestimmen, sind längst keine Bücherbunker mehr, sondern neben ihrer Funktion als multimediale Informationsquellen auch attraktive Begegnungs- und Veranstaltungsorte für alle Bevölkerungsschichten.

So etwas gibt es in Berlin bisher nicht. Ein zeitgemäßer Umbau der bestehenden Bibliotheken ist wenig sinnvoll, weil der Platz fehlt, die marode Gebäudesubstanz es nicht hergibt und die Bau- und Betriebskosten viel zu hoch wären. Auch wenn die Kosten für den Neubau, voraussichtlich 250 Millionen Euro, erst einmal erschrecken. Es wird sich aber auf die Dauer für die Stadt rechnen, in jedem Fall für die bildungshungrigen und geselligen Berliner. Eine solche Landesbibliothek wäre eine gut angelegte Investition in die Zukunft. Ulrich Zawatka-Gerlach

CONTRA:

Wer als Berufstätiger nach einem langen Arbeitstag gerne in der Bibliothek um die Ecke noch ein schönes Buch für den Feierabend ausleihen möchte, hat in Berlin zwei Probleme: Zum einen ist in den Bezirksbüchereien die Auswahl in den Regalen oft erschreckend dürftig. Und zum anderen sind die meisten Häuser ab 19 Uhr allemal geschlossen, so dass man als arbeitender Mensch auch an gut gefüllte Regale nicht mehr herankäme. Beide Probleme haben eine klare Ursache: zu wenig Geld, zu wenig Personal. Und da will der neue Senat mal eben so hunderte Millionen Euro für eine zentrale Landesbibliothek ausgeben, die für die meisten Berliner nur mit einer langen Fahrt quer durch die Stadt zu erreichen ist? Die Bibliotheken um die Ecke, die für die meisten viel besser zu erreichen sind, kochen weiter auf Sparflamme. So viel Zentralismus wirkt wie aus der Zeit gefallen. Mit den 270 Millionen Euro, die jetzt für das neue Mammutvorhaben auf dem Flugfeld veranschlagt sind, könnten alle Berliner Bezirksbibliotheken auf einen Schlag ihr Angebot an aktuellen Büchern vervielfachen und nebenbei auch noch das nötige Personal bezahlen, um an sieben Tagen in der Woche von morgens bis abends zu öffnen. Wer will, dass die Menschen wieder öfter zum Buch greifen, sollte auf ein zentrales Renommierprojekt verzichten und das Geld dorthin geben, wo es Bürgern am meisten nützt. Lars von Törne

Eine gut angelegte Investition oder rausgeschmissenes Geld? Der Senat plant den Bau einer großen Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld. Wie denken Sie darüber? Diskutieren Sie mit!

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