Leserdebatte : Ein NC fürs Gymnasium?

Rektoren wollen Elternwahlrecht einschränken. Sie kritisieren an dem jetzigen System, dass zu viele ungeeignete Schüler auf die Gymnasien gelangten. Jetzt muss Bildungssenator Zöllner entscheiden. Was meinen Sie? Diskutieren Sie mit!

Werner Kurzlechner

„Zeitnah“ soll die letzte offene Frage zur Einführung der Sekundarschule geklärt werden, kündigte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) an – die Regelung des Übergangs ans Gymnasium. Eine Fachtagung am Mittwochabend diente als Anlass für das „sorgfältige Abwägen“, das sich der Senator vorgenommen hat. „Es gibt keine einfache, schnelle und eindeutige Antwort“, sagt Zöllner. Darum sollten Bildungsforscher, Direktoren und André Schindler vom Landeselternausschuss ihre Positionen darlegen. Inhaltlich stand Schindler mit seinem Plädoyer für die Beibehaltung der Probezeit ohne strenge Zugangsbestimmungen einer breiten Schulleiterfront gegenüber. „Wir haben ein sehr praktikables System, das sich bewährt hat“, sagte Schindler.

Die Rektoren kritisieren an dem jetzigen System, dass zu viele ungeeignete Schüler auf die Gymnasien gelangten. Wolfgang Harnischfeger, Vorsitzender der GEW-Schulleitervereinigung, forderte deshalb wie Ralf Treptow vom Verband der Oberstudiendirektoren statt des Probehalbjahres einen strengen Numerus Clausus (NC), um die Gymnasien von den Sekundarschulen unterscheiden zu können. „Wir brauchen Leistungsspitzen“, so Harnischfeger. Die Gymnasien sollten aber je nach Profil einen gewissen Spielraum bei der Aufnahme haben.

Leiter der künftigen Sekundarschulen, wie Klaus Brunswicker von der Sophie- Scholl-Gesamtschule, erhoffen sich von einem strengen Gymnasial-NC, dass die Bandbreite der Schüler an den Sekundarschulen wächst. Zudem bliebe Kindern dann das Scheitern im Probehalbjahr erspart. „Ich bin absolut gegen das Probehalbjahr“, sagt auch Hiltrud Rothaus, Leiterin der Hermann-von-Helmholtz-Gesamtschule.

„Ganz klare Kante für eine Auswahl der Schüler durch die Gymnasien und eine Kontingentierung der Plätze“, fordert auch Thomas Schumann von der Hermann- Hoover-Realschule. Nur eine gute Durchmischung der Schüler sichere den Erfolg der Sekundarschulen. Als einheitlicher Block traten die Schulen aber nicht auf. „Ich würde es den Gymnasien überlassen, ob sie die Latte hoch oder niedrig hängen“, so Detlef Pawollek, Leiter der Kurt- Löwenstein-Hauptschule. „Und wir sollten das Elternwahlrecht erhalten.“

Moderatorin Susanne Vieth-Entus vom Tagesspiegel begrüßte es, dass Zöllner dieses wichtige Thema „nicht in Hinterzimmern“, sondern öffentlich erörtern ließ, um alle Argumente zu hören. Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund erinnerte daran, dass über 70 Prozent derer, die trotz Realschulempfehlung auf das Gymnasium gehen, die Versetzung in die achte Klasse schaffen. Auch deshalb sei er dagegen, die Elternrechte einzuschränken.

„Es gibt keinen besseren Indikator für künftige Leistungen, als die bisher erbrachten“, warb der Münchner Bildungsforscher Hartmut Ditton für einen Beibehalt der Grundschulempfehlungen. Wegen der Abiturmöglichkeit an den Sekundarschulen könne man die Übergangsfrage ans Gymnasium „relativ gelassen beurteilen“, befand Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Unproblematisch sei aus wissenschaftlicher Sicht kein Verfahren, weshalb am Ende politische Gesichtspunkte entscheidend sein dürften, so Baumert.

Was meinen Sie? Halten Sie eine Verschärfung der Aufnahmeregelungen für das Gymnasium für sinnvoll? Steigt damit die Leistungsbandbreite an den zukünftigen Sekundarschulen? Oder nimmt dieses Auswahlverfahren ohne Berücksichtigung des Elternwahlrechts den Schülern ihr Recht auf Bildung? Diskutieren Sie mit! Nutzen Sie dafür die Kommentarfunktion unter dem Artikel!

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