Leserdebatte : Leipziger Platz: Braucht Berlin noch ein Riesen-Einkaufszentrum?

Das alte Wertheim-Areal am Leipziger Platz hat einen neuen Besitzer. Er hat das Schloss in Steglitz entwickelt. Nun plant er wieder ein riesiges Einkaufszentrum.

 Christoph Stollowsky
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Aus für Potemkin. Die mit bedruckten Planen verhüllten Gerüste, die am Leipziger Platz Gebäude vorgaukeln, werden wohl bald...

Auf dem früheren Wertheim-Gelände am Leipziger Platz soll eines der größten Einkaufszentren Berlins entstehen – möglicherweise mit noch mehr Läden als in den Potsdamer Platz Arkaden oder im „Alexa“-Center am Alexanderplatz. Das plant offenbar der neue Besitzer des 22 0000 Quadratmeter umfassenden Areals an der Nordostecke des Platzes. Wie aus Immobilienkreisen zu erfahren war, hat der Berliner Projektentwickler Harald G. Huth die Top-Lage von der finanziell angeschlagenen Orco-Immobiliengruppe übernommen. Huths „High Gain House Investment GmbH“ (HGI) – zu Deutsch „hochprofitable Immobilieninvestition“ – wolle bald mit dem Vorhaben beginnen, heißt es. Damit würde eine der letzten großen Baulücken in Berlin geschlossen.

Der Eigentümerwechsel von Orco zur HGI wurde laut RBB-Abendschau am Freitag notariell beurkundet. Die international tätige Orco-Gruppe hatte das Areal 2006 für 75 Millionen Euro von den Erben der Kaufhausfamilie Wertheim erworben, war im Zuge der Finanzkrise aber wirtschaftlich ins Schlingern geraten. Im September hatte Orco sich vom denkmalgeschützten Haus Cumberland am Ku’damm getrennt. Seither gab es Spekulationen, dass die Gruppe auch ihr letztes und größtes Berliner Projekt am Leipziger Platz zu Geld machen müsse.

Der neue Besitzer des Wertheim-Areals, Harald G. Huth, hat in Berlin bereits die Neuköllner Gropiuspassagen und das „Schloss“ in Steglitz entwickelt. Seine Firma HGI ist in der Regel nicht der Kapitalgeber, sondern verwirklicht die Vorhaben für Investoren. Am Leipziger Platz habe Huth ein Bankenkonsortium im Rücken, heißt es. Huth selbst war am Sonnabend nicht zu erreichen.

Der Bebauungsplan für das Wertheim-Areal wurde erst vor neun Tagen vom Abgeordnetenhaus beschlossen. Er sieht einen Mix aus Shopping, Gastronomie, Büros und Wohnungen vor. Hinsichtlich der Gestaltung hatte der Senat 2007 einen städtebaulichen Wettbewerb ausgeschrieben, in dem sich das Architektenbüro Kleihues + Kleihues durchsetzte. An dessen Entwurf, der sich am Wertheim-Kaufhaus von 1896/97 orientiert, müssen sich die neuen Besitzer weitgehend halten. Danach erhält das neue Gebäude eine säulengeschmückte Natursteinfassade zum Leipziger Platz hin und Arkaden an der Leipziger Straße. Neben Büros sollen 200 Wohnungen und große Parkflächen entstehen. Geschätzte Gesamtkosten: 450 Millionen Euro.

Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) befürchtet allerdings, dass der neue Eigentümer „eine sparsame Variante anstrebt, die der exponierten Lage nicht gerecht wird“. Harald G. Huth sei bislang nicht „durch besondere architektonische Qualität“ aufgefallen.

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