• Leserdebatte: Sollte die Liste gefährlicher Hunde im Berliner Hundegesetz abgeschafft werden?

Leserdebatte : Sollte die Liste gefährlicher Hunde im Berliner Hundegesetz abgeschafft werden?

Der Schäferhund ist laut Bissstatistik nicht des Menschen bester Freund. Im Jahr 2009 schnappten sie allein in Berlin 79 Mal zu – und belegen so Platz eins. Auf der Liste der gefährlichsten Hunde steht er aber nicht. Was meinen Sie? Gehört die Liste abgeschafft?

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Eine Kleine Anfrage der Grünen Claudia Hämmerling im Abgeordnetenhaus zeigte: Auch diesmal wird die Statistik der häufigsten Beißer nicht von einem Hund angeführt, der auf der Liste für gefährliche Hunde verzeichnet ist. Die Schäferhunde liegen in der Statistik mit weitem Vorsprung auf dem ersten Platz. Dennoch will der Senat weiterhin an der Liste festhalten.

Dabei haben alle “Listenhunde“ zusammen im Vorjahr 59 Mal „Menschen verletzt oder gefahrdrohend angesprungen“, wie es in der Statistik heißt. Schäferhunde allein schnappten 20 Mal öfter zu. Als Folge fordert der Tierschutzverein für Berlin eine Änderung des Hundegesetzes. Die Liste „so genannter gefährlicher Hunde“ sei abzuschaffen. „Laut dieser Statistik müssten auch Schäferhunde, Dackel und Golden Retriever als gefährliche Hunde eingestuft werden“, so der Tierschutzverein. Das sei absurd.

Gefährliche Hunde
In der Beißstatistik liegt der Boxer mit 15 Fällen, "in denen Menschen verletzt oder gefahrdrohend angesprungen wurden" im Mittelfeld. Der Boxer steht in Berlin nicht auf der Liste der gefährlichen Hunde. Weitaus am häufigsten attackieren Mischlinge in Berlin Menschen. 263 Fälle wurden in einem Jahr insgesamt aktenkundig. In dieser Bildergalerie zeigen wir eine Auswertung der Vorfälle nach Hunderassen anhand der zuletzt verfügbaren Statistik aus dem Jahr 2010.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Wikimedia Commons
28.02.2012 08:19In der Beißstatistik liegt der Boxer mit 15 Fällen, "in denen Menschen verletzt oder gefahrdrohend angesprungen wurden" im...



Die Folgen für die Hunde auf der Liste sind zum Teil verherrend: Inzwischen ist jeder zweite Hund im Tierheim ein „Listenhund“. „Die abgegebenen Hunde verbleiben oft mehrere Jahre im Tierheim, ohne dass sie irgendwie auffällig seien, nur weil stigmatisiert wurden“, sagt Evamarie König vom Tierschutzverein für Berlin. Der Anteil der „Listenhunde“ an den im Tierheim abgegebenen Hunden stieg von 9,4 Prozent im Jahr 2005 auf 50 Prozent 2009 an. Momentan beherbergen die Berliner Tierheime 150 Listenhunde. Im Durchschnitt bleiben sie 410 Tage im Heim, etwa achtmal so lang wie nicht indizierte Hunde, so das Ergebnis der Kleinen Anfrage. Die Kosten dafür trägt allein der private Tierschutzverband.

Die Statistik lässt allerdings viele Fragen offen, weil die Verteilung der Hunderassen in Berlin nicht erfasst ist. Tauchen die Schäferhunde in der Statistik so weit vorne auf, weil es so viele von Ihnen gibt? Andererseits: Beißen die als gefährlich eingestuften Hunde nur so selten, eben weil sie seit der Einführung der Liste einen Maulkorb tragen müssen?
Trotzdem fordert der Tierschutzverein: „Die Tiere dürfen nicht wegen ihrer Rasse stigmatisiert werden.“ Am Ende stecke immer der Halter dahinter. Deswegen sei der Hundeführerschein eine gute Idee, um Bissvorfälle zu vermeiden.

Was meinen Sie?
Macht die Liste der gefährlichsten Hunde Sinn, wenn es dann doch der Schäferhund ist, der an der Spitze der Bissstatistik steht? Sollte die Liste abgeschafft werden? Oder fühlen Sie sich sicherer, wenn „Listenhunde“ einen Maulkorb tragen müssen? Was halten Sie von der Idee eines Hundeführerscheins für alle Hundehalter?

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