Leserdebatte : U-Bahn-Sperrung: Kaum Durchsagen und keine Helfer

Fahrgäste irren ratlos über die Bahnsteige - die Einschränkungen auf der U 1 dauern noch bis zum 27. April. Diskutieren Sie mit: Haben Sie sich auch über die Baustelle auf der U-Bahnlinie 1 geärgert?

Klaus Kurpjuweit

Die Kugel aus dem vermeintlichen Schreibgerät durchschlug die Leber: Christian W. ging nach einer Prügelei auf einen der Gegner zu, legte ihm einen Arm um die Schulter und drückte ihm einen Schieß-Kugelschreiber an den Bauch. Das Landgericht sprach den 25-Jährigen gestern des versuchten Totschlags schuldig. Gegen den gelernten Kaufmann erging eine Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten. Gleichzeitig ordneten die Richter seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Ohne Behandlung wäre W. für die Allgemeinheit gefährlich, hieß es.

Der Hellersdorfer hatte am Vatertag 2008 mit Freunden gezecht, als es zum Streit mit einer anderen Gruppe kam. Vermutlich ging es um Geld. Es kam zu einer Massenschlägerei. W. hatte im Prozess erklärt, er habe „etwas Blinkendes“ gesehen und aus Furcht vor einem Messerangriff geschossen. Die Richter fanden jedoch keine Hinweise auf Waffen in der anderen Gruppe. Das 28-jährige Opfer schwebte tagelang in Lebensgefahr. Das Geschoss, das nahe der Lunge stecken blieb, konnte bislang nicht aus seinem Körper entfernt werden. K. G.

Die BVG bleibt sich treu. Auch bei der ersten ihrer vielen Großbaustellen im Netz der U-Bahn in diesem Jahr hat sie am Freitag die Fahrgäste bei der Sperrung der U 1 weitgehend alleine gelassen. Eine Testfahrt sah so aus: Informationen im Zug – Fehlanzeige, oder nur ganz schwer zu verstehen. Durchsagen auf den Bahnsteigen: keine. Mitarbeiter, die man hätte fragen können: nicht vorhanden. Wie bereits bei zahlreichen Großbaustellen in der Vergangenheit irrten wieder viele ratlose Fahrgäste über die Bahnsteige, denen dann nur von anderen Kunden wenigstens hin und wieder geholfen werden konnte.

Gesperrt ist seit Freitag der Abschnitt Kottbusser Tor–Wittenbergplatz der U 1 (Warschauer Straße–Uhlandstraße). Fahrgäste müssen zwischen Nollendorfplatz/Wittenbergplatz und Gleisdreieck auf die U 2 (Pankow–Ruhleben) ausweichen und zwischen Gleisdreieck und Kottbusser Tor mit einem Ersatzbus weiterfahren.

Wer sich aufmerksam in den Bahnhöfen umsieht, entdeckt vielleicht auch die an Wänden angebrachten Plakate mit Hinweisen zu Baustellen und Ersatzverkehr und kann dann versuchen, sich zurechtzufinden. Wer die Hinweise nicht fand, bekam am Freitag bei der Testfahrt keine anderen Auskünfte. Über Lautsprecher wurde lediglich mitgeteilt, dass es wegen Bauarbeiten eine andere „Betriebsführung“ gebe. Mehr nicht. Mitarbeiter, die Rat hätten geben können, waren nicht zu sehen – auch nicht auf dem Bahnsteig im Bahnhof Kottbusser Tor, von wo aus sich die Fahrgäste den Weg zur Haltestelle der Ersatzbusse suchen müssen. Die Hinweisplakate kleben zwar an Wänden, werden aber nicht immer von den Fahrgästen wahrgenommen.

Die Fahrer seien angewiesen worden, auf die Streckensperrung per Lautsprecher hinzuweisen, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Ob sie sich daran hielten, könne man nicht immer kontrollieren. Nach dem Hinweis des Tagesspiegels auf die fehlenden Informationen habe man die Fahrer aber erneut angewiesen, die Durchsagen zu machen, sagte Reetz. Warum es keine Mitarbeiter in den Bahnhöfen gab, die Fahrgästen hätten helfen können, konnte Reetz nicht sagen. Geplant gewesen seien solche Ansprechpersonen. Bei der Testfahrt war aber nur im Bahnhof Gleisdreieck vorübergehend ein BVG-Mitarbeiter anwesend, der dann gleich die Fragen von gut einem Dutzend Fahrgästen beantworten musste.

Die Sperrung mit dem Busersatzverkehr dauert bis zum Betriebsbeginn am Montag. Dann fahren die Züge von der Warschauer Straße bis zum Gleisdreieck, wo die Fahrt mit der U 2 weitergeht. Richtung Kreuzberg/Friedrichshain müssen die Fahrgäste auch im Bahnhof Gleisdreieck umsteigen. Geschlossen bleibt der Bahnhof Kurfürstenstraße an der U 1.

Planmäßig fahren sollen die Züge erst wieder am 27. April. So lange kann die BVG auch noch üben, ihre Informationen für die Kunden zu verbessern. Die nächsten Großbaustellen mit Streckensperrungen sind, wie berichtet, längst geplant.

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