Leserdebatte : Und wo ist heute gesperrt?

Leinwände und Bühnen hier, Sperrungen dort. Werner van Bebber mag Berlin eigentlich vor allem Event-befreit. Und Sie? Freuen oder ärgern Sie sich über die Großveranstaltungen und ihre Nebenwirkungen? Diskutieren Sie mit!

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Spaßig oder nervig? Immer wieder kommt es in Berlin zu weiträumigen Sperrungen wie hier beim Halbmarathon.
Spaßig oder nervig? Immer wieder kommt es in Berlin zu weiträumigen Sperrungen wie hier beim Halbmarathon.Foto: dpa

Jetzt ist es ein Radrennen, das die Innenstadt am Wochenende zu einer Art Sperrbezirk machen wird. Vor ein paar Wochen war der Halb-Marathon Anlass für vielerlei Umleitungen, in ein paar Monaten kommt der Ganz-Marathon. Zwischendurch werden den Event-Organisatoren der Rummelmetropole gewiss noch ein paar Ereignisse einfallen, die mindestens die mehrtägige Sperrung der Straße des 17. Juni begründen, etwa eine Spontan-Fanmeile zur Frauen-Fußball-WM oder ein Wettgrillen. Nur eins hört man nie: Dass den Leuten, die Berlin als Stadt benutzen und erleben wollen, der permanente Rummel zu viel ist. Sind das so wenige?

Längst braucht, wer am Sonnabend oder Sonntag unterwegs sein will, eines viel dringender als einen Stadtplan oder ein Navigationsgerät: seinen Verstand, um vorab zu klären, welche Bezirke wegen welcher Großereignisse weiträumig gesperrt und deshalb von Normalbürgern zu meiden sind. Kritik an der Verwandlung des Zentrums in eine Bühne, Ereigniskulisse oder in einen Stellplatz für Großbildleinwände gilt nicht. Das wäre „Miesmacherei“:  Miesmacherei dessen, was als Unterhaltung gilt und als solche verkauft wird; Miesmacherei an dem angeblichen Massenbedürfnis, irgendwo zu stehen, zu gucken und Bier aus Plastikbechern zu trinken; Miesmacherei der wichtigsten Einnahmequelle der Stadt, des (Event-bewegten) Tourismus. All das ist unerwünscht unzeitgemäß. Merkwürdig ist nur, dass die Leute, die im weiteren Einzugsgebiet der Action-Achse 17. Juni und Umgebung leben und ständig Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit hinnehmen müssen, in der Politik keine Lobby haben.

Diskutieren Sie mit. Ist Ihnen der Rummel in der Stadt auch zu viel? Oder erfreuen Sie sich einfach nur an den Events?

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