Leserdebatte : Was halten Sie von der Freundlichkeitskampagne?

Polizisten, Busfahrer und Straßenkehrer sollen freundlicher werden. Das ist das Ziel der Freundlichkeitskampagne des Senats. Was halten Sie von der Offensive? Erzählen Sie uns Ihre Erlebnisse mit der typischen "Berliner Schnauze".

Werner van Bebber
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Im Land des Lächelns. Auch Berlins Polizisten sollen freundlicher werden. -Foto: dpa

Die neue Hauptstadtkampagne hat einen ironischen Unterton. Berlin werde mit ihr "noch freundlicher", kündigte Senatssprecher Richard Meng bei der Vorstellung der Kampagne "Mit Herz und Schnauze" an. Der Humor der Berliner sei eher robust, so Meng. Nun aber sollten Touristen erfahren, dass sie in der Stadt freundlich empfangen würden und auf ihre Fragen auch Antworten bekämen. Vor Jahren sei von der Servicewüste Deutschland die Rede gewesen. Die neue Kampagne solle zeigen: "Die Servicewüste haben wir hinter uns." Die Freundlichkeitsoffensive ist Teil der "Be-Berlin"-Kampagne des Senats und der Berlin Partner. Ihr Motto ist entsprechend "sei interessiert, sei informiert, sei berlin".

Getragen wird die Kampagne von einigen tausend Polizisten, Busfahrern, Messemitarbeitern, Straßenkehrern. Sie tragen das sogenannte Info-I als Anstecknadel, ihre Fahrzeuge sind durch gleichartige Aufkleber gekennzeichnet. Das Logo, ein Herz mit Schnauze, soll Touristen ermuntern, die Leute mit dem "Info-I" anzusprechen, wenn sie Fragen haben. Dreizehn Behörden und landeseigene Unternehmen sind dabei, die Verkehrsbetriebe ebenso wie der Taxi Funk und der Hotel- und Gaststättenverband.

"Coming soon: das freundlichere Berlin"

Organisiert wird die Freundlichkeitskampagne von der landeseigenen Organisation Berlin Partner. Die Teilnahme sei freiwillig, sagte der Geschäftsführer von Berlin Partner, René Gurka. Bislang hätten sich etwa 1000 Polizisten, 1400 S-Bahner, 500 BVG-Mitarbeiter und 150 Straßenfeger zum Mitmachen bereit erklärt. Sie hätten davon keinerlei Vorteile, würden aber "ein Stück weit die Stadt wieder nach vorne" bringen. BTM-Geschäftsführer Burkhard Kieker sagte, täglich kämen bis zu 400.000 Touristen nach Berlin. Sie sollten die Erfahrung machen: "Hier werdet ihr freundlich aufgenommen." Touristen werden auf das "Info-I" schon bei der Internationalen Tourismusbörse stoßen. Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft, der Jahrestag der Maueröffnung, der 3. Oktober sind weitere Schwerpunkte der Freundlichkeitsoffensive.

Freundliches Berlin
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1 von 8Foto: be berlin
29.07.2009 08:29



Zwischendurch soll es immer wieder Werbeaktionen der Berlin Partner geben, um den Kreis der "Info-I"-Träger zu erweitern. Dazu gehört eine Serie von Postkarten, die verteilt werden. Darauf finden sich Sprüche wie "Ham wa nich. Der Nächste." Auf der Rückseite findet sich das Versprechen "Coming soon: das freundlichere Berlin".

Kein Unterschied zur Fußball-WM

Die Kampagne soll nicht auf Mitarbeiter von Behörden und landeseigenen Betrieben beschränkt bleiben. "Jeder kann mitmachen", sagte Gurka. Wer mit dem "Info-I" in der Stadt herumlaufen will, kann sich Gurka zufolge bei Berlin Partner im Ludwig-Ehrhard-Haus entsprechende Materialien wie die Info-I-Anstecknadel, die Aufkleber oder ein Faltblatt mit den wichtigsten Service-Informationen abholen. Nachfragen ergaben freilich, dass die Mitarbeiter davon noch nichts wussten.

Die Kosten der Kampagne liegen bei 200 000 Euro für Materialien wie die Postkarten und die Aufkleber. Einen Unterschied zu der Freundlichkeitskampagne zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gibt es offenbar nicht. Senatssprecher Meng sagte dazu: "Das baut aufeinander auf."

Was halten Sie von der Freundlichkeitsoffensive? Bringt das unsere Stadt nach vorne? Oder gehört es zum Berlin-Erlebnis, wenn ein Berliner auf eine Touristenfrage sagt: "Seh ick etwa aus wie ne Infosäule?" Ist Berlin dann wirklich noch Berlin, wenn jeder auf einmal freundlich ist? Oder wird es höchste Zeit, dass die Stadt ein lächelndes Gesicht zeigt? Wird es Ihnen fehlen, wenn niemand Sie mit: "Wat kieckste so, Fatzke?" grüßt  oder der Busfahrer auf seine Verspätung angesprochen sagt: "Ick bin ja ooch keen Fliejer, wa?" Erzählen Sie uns Ihre Erlebnisse mit der "Berliner Schnauze"!

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