Leserdebatte : Wie lässt sich das Schneeräum-Chaos vermeiden?

UPDATE Glatteis vor der Haustür, Schneeberge auf Gehwegen: Solche Zustände mussten die Berliner in diesem Winter lange ertragen. In der nächsten Kälteperiode soll alles besser werden - aber wie?

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So viel Einsatz wie bei dieser Initiative auf dem Ku'damm hätten sich die Berliner an jeder Ecke gewünscht. -Foto: ddp

Bis Ostern soll die Stadt wieder sauber sein, heißt es nun. Angestellte der Stadtreinigung räumen gemeinsam mit Arbeitslosen den Splitt und Müll der vergangenen zwei Monate von den Straßen. Doch viele Berliner haben nicht vergessen, mit welchen Mühen sie sich ihren Weg durch die verschneite und vereiste Hauptstadt bahnen mussten - oder sogar mit gebrochenen Knochen im Krankenhaus lagen. 

Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) veranstaltet deshalb heute einen Wintergipfel, an dem unter anderen die Vorstandsvorsitzende der BSR, Vera Gäde-Butzlaff, und der Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Ekkehard Band (SPD), teilnehmen. Dabei geht es um die Vorbereitung auf den kommenden Winter.

Hauseigentümer fordern mehr Einsatz der BSR

Berlins Hauseigentümerverband hat sich bereits Gedanken gemacht, er plädiert für klare Zuständigkeiten beim Winterdienst. Der Sprecher des Eigentümer-Verbandes Haus und Grund, Dieter Blümmel, sagte am Mittwoch im RBB-Inforadio, die Bereiche, in denen die Berliner Stadtreinigung (BSR) zuständig ist, sollten ausgeweitet werden.

„Solche Sachen wie zum Beispiel Hydranten freimachen, Telefone freimachen, Wartehäuschen freimachen, das sollte generell die Stadtreinigung machen. Damit hätten wir ein bisschen mehr Klarheit“, sagte Blümmel. Den Eigentümern blieben sozusagen die einen Meter breiten Wege vor ihren Häusern, die sie freimachen können. Dann sei „die Geschichte klar“. Zugleich räumte Blümmel Probleme beim Winterdienst ein. Die Situation sei in diesem Winter „sehr unbefriedigend“ gewesen.

Fußgänger- und Radfahrerorganisationen rügen, dass sie an dem „Glatteis-Gipfel“ nicht beteiligt wurden. Dies sei „eine Verhöhnung der Tausenden Verletzten“, sagte Karl-Heinz Ludewig von FUSS e.V. Zudem stelle der Senat damit „seine Bürgerferne“ unter Beweis. Einige Verbände fordern die Rücknahme der Privatisierung der Räumdienste für städtische Grundstücke und die Wiederherstellung eines leistungsfähigen städtischen Winterdienstes für Wege. Der sichere Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln müsse Vorrang vor der Räumung der Fahrbahnen haben. Zudem sollte das Verfahren für Bußgelder analog zu den „Autoknöllchen“ vereinfacht werden.

Abgeordnete: Privatfirmen haben versagt

Auch im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhaus wurde das Problem bereits diskutiert: Die Hauptkritik richtete sich gegen die unübersichtlichen Zuständigkeiten im Winterdienst. Dass jeder Hauseigentümer – ob privat oder öffentlich – seine eigene Räumfirma beauftragen könne, ist für den SPD-Abgeordneten Holger Thärichen ineffektiv.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass die Privatfirmen, vor allem die kleineren, völlig versagt hätten. Darunter litt auch der Bezirk Mitte. Stadtrat Carsten Spallek (CDU) gestand ein, dass sich von den etwa 600 Anzeigen im Bezirk wegen schlecht geräumter Flächen ein Großteil auf bezirkseigene Grundstücke bezog. Die beauftragte Räumfirma werde man sicherlich nicht noch einmal einsetzen. (ho/Tsp/ddp)

Welche Vorschläge haben Sie gegen das Glättechaos im Winter? Selbsthilfe? Mehr Verantwortlichkeit der BSR? Bessere Verteilung der Räumjobs auf ausgesuchte Firmen? Schreiben Sie einen Kommentar unter diesen Artikel!

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