Leserdiskussion zur Serie "Platz da!" : Kreuzberger Dilemma

Soll das Kottbusser Tor ein Kreisverkehr bleiben? Oder soll die Straßenführung flacher und trapezförmig werden? Das halten viele für die beste Lösung. Zu teuer, sagt jedoch die Senatsverwaltung

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Mehr als eine Meinung zum Plan. Dagmar Gast, Horst Wohlfarth von der Alm, Hans Panhoff und Adalbert Kurkowski diskutierten mit Anwohnern über den Umbau des Kottbusser Tors. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Mehr als eine Meinung zum Plan. Dagmar Gast, Horst Wohlfarth von der Alm, Hans Panhoff und Adalbert Kurkowski diskutierten mit...

Es sollte eine Provokation sein: Die Landschaftsarchitekten vom Büro „Gast.Leyser“ hatten in ihrem Entwurf die Auflösung des Kreisverkehrs am Kottbusser Tor vorgeschlagen. Die Skalitzer Straße würden sie in einem flachen Trapez vorbeiführen, den nördlichen Teil der Reichenberger Straße und ein Stück der Adalbertstraße für Autos sperren – und so einen großen Platz auf der Nordseite schaffen. „Das ist ein sehr radikaler Ansatz für eine Planung“, sagte Gerd Nowakowski, Leitender Redakteur des Tagesspiegels beim Forum im Festsaal Kreuzberg an der Skalitzer Straße, wo er die Diskussion über den Entwurf des Büros „Gast.Leyser“ moderierte, der am 29. April im Tagesspiegel vorgestellt wurde. Anwohner, Politiker und Stadtplaner waren gekommen.

Doch bei der Diskussion wurde klar, dass der Plan keine Provokation beinhaltet – sondern ein Dilemma. „Die Idee, die Kreisgeometrie aufzuheben, wäre die optimale Lösung für die Unfallproblematik dort. Ich bin ein Fan der Trapezform“, sagte Horst Wohlfarth von Alm von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Diese Idee hätten vom Senat beauftragte Experten schon 2007 vorgelegt. Man habe sie aber verworfen – als zu teuer. Das Entwässerungssystem zu verändern und Bordsteine zu versetzen, verursache hohe Kosten. Außerdem könne man seiner Ansicht nach die Adalbert- und die Reichenberger Straße nicht sperren, weil dort wichtige Buslinien verkehrten, sagte Wohlfarth von Alm: „Wohin sollen die 10 000 Kraftfahrzeuge, die täglich die Adalbertstraße nutzen?“ Ein Umbau solle zwar noch im Mai beginnen – aber dabei geht es nur um den Unfallschwerpunkt: „Dafür haben wir ein kleines Budget. Alles andere müsste der Bezirk zahlen.“

„Es will mir nicht recht in den Kopf, dass man sich hier für die zweitbeste Lösung entschieden hat, obwohl eine bessere schon 2007 auf der Hand lag“, sagt Gerd Nowakowski. Baustadtrat Hans Panhoff findet den Entwurf von „Gast.Leyser“ sehr sympathisch: „Seitens des Bezirks besteht Bereitschaft, sich noch einmal an die Planung zu setzen. Mir würde es aber reichen, die Nordkurve abzuflachen. Man müsste dann auf der Südseite mit den Bauarbeiten beginnen.“ Aber: „Der Bezirk hat keinen Euro übrig.“ Ein Anwohner der Adalbertstraße kritisiert, dass es bei der Straßenplanung in Berlin oft nur um die Autofahrer gehe. Der alternative Entwurf ist in seinem Sinn. Landschaftsarchitektin Dagmar Gast sagt: „Wir wollen die öffentliche Fläche für alle nutzbar machen.“

Adalbert Kurkowski von der Berliner Bank, die eine Filiale am Platz betreibt, schlägt vor, Berliner, die etwas für das Gemeinwohl tun wollen, könnten sich an der Finanzierung beteiligen. Und ein Anwohner sagt: „Man könnte die Sozialverwaltung mit einbeziehen, weil es auch darum geht, einen sozialen Brennpunkt zu entschärfen.“ Er appelliert an Wohlfarth von der Alm und Panhoff, „nicht vor dem Plan zurückzuschrecken“. Daniela Martens

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