Lesermeinung : Radfahrer und Autofahrer: Die Sache mit dem Schulterblick

Unser Leute-Newsletter hat eine Debatte ausgelöst über abbiegende Autofahrer, Gefahr für Radfahrer und die Reaktion der Polizei. Hier die Meinung der Leserinnen und Leser. Kommentieren und diskutieren Sie mit!

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Fast-Unfall mit Bus und Fahrrad am Rathaus Steglitz - und das während einer Aufklärungsaktion der Berliner Polizei.
Fast-Unfall mit Bus und Fahrrad am Rathaus Steglitz - und das während einer Aufklärungsaktion der Berliner Polizei.Foto: Hasan Gökkaya

Auf unseren Newsletter Steglitz-Zehlendorf, der sich mit einer Aufklärungsaktion der Berliner Polizei zum oft versäumten "Schulterblick" durch Autofahrer gegenüber Radfahrern befasste, gab es große Resonanz. Als Autor vertrat ich die These, dass es da nichts mehr aufzuklären gibt, sondern dass vielmehr Strafen für rücksichtsloses Abbiegen überfällig sind. Daraufhin gab es eine Reihe von Leserzuschriften, die wir hier veröffentlichen. Für unsere Newsletter aus allen Berliner Bezirken können Sie sich hier über diesen Link anmelden. Und wir freuen uns natürlich über weitere Kommentare zum Thema hier im Leserforum, siehe unten.

Für Rechte der Fahrradfahrer kämpfen

Endlich einmal ein Newsletter, der politisch Stellung bezieht. Und zwar im Sinne aller jener, die unseren Bezirk für die Vorteile lieben, die ihn gegenüber anderen Bezirke auszeichnet: das viele Grün, die gute Luft, der weite Raum und die Familienfreundlichkeit. Wer meint, Zehlendorf sei gleichbedeutend mit Wohlstand und dieser gleichbedeutend mit einem besonders großen Auto, der ist noch nicht im Jahr 2017 angekommen. Die wirklich teuren Bezirke liegen im Zentrum und echter Wohlstand zeichnet sich durch Verantwortlichkeit für andere, durch Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Verzicht als innere Bereicherung aus. Schließlich unterscheiden sich die grünen Bezirke unserer Stadt vom ländlichen Dorf genau dadurch, dass sie der Stadt angehören: Sie sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln optimal angebunden, sodass man kein Auto benötigt. Wir als vierköpfige Familie mit kleinen Kindern sind der lebende Beweis dafür, dass es auch ohne Auto geht. Wenn sich auch nur eine Handvoll Eltern dafür entscheiden könnte, ihre Kinder mit dem Fahrrad statt mit dem SUV zur Schule zu bringen, wenn eine Handvoll Menschen erkennt, dass sie mit der S-Bahn ebenso gut zur Arbeit kommen wie mit dem Auto, wenn es weiterhin engagierte Bürger gibt, die für die Rechte der Fahrradfahrer nicht nur in Zehlendorf, sondern in ganz Berlin kämpfen, dann werden diese wunderschöne Stadt und mit ihr dieser Bezirk gleich noch ein Stückchen lebenswerter werden.

Rachel Dries

Niemand darf sich die Vorfahrt erzwingen

Wenn Sie in Ihrem heutigen Bericht großmundig fordern, dass "Autofahrer, die schnell fahrende Radfahrer nicht mehr wahrnehmen, ihr Auto gleich stehen lassen sollten", frage ich mich, welche (Rad-)Fahrschule Sie besucht haben!? Denn neben dem von Ihnen angesprochenen Schulterblick lernt man auch in der Fahrschule, dass niemand, also auch kein Radfahrer(!), berechtigt ist, sich die Vorfahrt zu erzwingen!!!
Gegenseitige Rücksichtnahme gilt für alle Verkehrsteilnehmer - vor alle auch für (abbiegende) Radfahrer auf Fußwegen und Fußgängerüberwegen, denn entgegen Ihrer Meinung und der des zweirädrigen Herr Strößenreuter sind nicht die armen Radfahrer die Schwächsten im Straßenverkehr, sondern die Fußgänger!

Volker Holzke

Foto ist kein Beweis

Was soll im aktuellen "Leute Steglitz-Zehlendorf" die Kiezkamera (das Foto, das auch hier im Artikel steht, siehe oben, die Red.) eigentlich belegen?

Für mich (Mariendorfer, in 2016 ca. 4000 Fahrradkilometer in Berlin u.U. und mit recht guter Ortskenntnis der gezeigten Kreuzung) könnte sich die Situation auch wie folgt darstellen:

1. BVG-Bus steht während der Grünphase zum Abbiegen in die Albrechtstraße auf dem Fahrradstreifen (nicht gut, passiert aber immer wieder mal - die Busfahrer stehen halt auch immer unter Stress!!)

2. Während dieser Zeit nähert sich ein Radfahrer (im übrigen ohne Helm, was vielleicht auch mal erwähnenswert wäre) der Kreuzung und stellt fest, dass er nicht geradeaus weiterfahren kann. Unmittelbar danach (nicht mehr vom Foto erfasst) hält er an und lässt den Bus passieren, zumal er auch unaufmerksam war, denn er hätte an dieser Kreuzung/Stelle weit im Vorfeld die Situation erkennen können. Im Übrigen verläuft der Verkehr hier meist im "Schneckentempo", was aber keine Verharmlosung darstellen soll.

Ich kann mir also absolut nicht vorstellen, dass es sich hierbei um ein "Beweisfoto" handeln soll oder sieht die Polizei das vielleicht anders?

Hans Meißner

Kein besonderes Recht für schnellfahrende Radfahrer

Bezug nehmend auf ihren Kommentar zu der polizeilichen Aufklärungsaktion am Steglitzer Kreisel möchte ich sie bitten, schnellfahrende Fahrradfahrer an unübersichtlichen Kreuzungen nicht mit einem absoluten Vorfahrtsrecht zu versehen. Schon wegen der Fußgänger ist langsames passieren der Kreuzung geboten. Bei Dunkelheit ist es an dieser Ecke (Schloßstr.- Albrechtstr.) für Autofahrer unmöglich, Fahrradfahrer in größerer Entfernung zu erkennen, zumal viele Fahrradfahrer mit schlechter oder fehlender Beleuchtung fahren. Ich bin selbst Fahrradfahrer und erlebe es leider immer wieder, dass es vielen Fahrradfahrern an Vorsicht und Rücksicht mangelt. Deshalb finde ich es nicht richtig, wenn sie schnellfahrenden Fahrradfahrern ein besonderes Recht gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern einräumen.

Manfred von Sperber    

Erwiesenermaßen tödliche Gefahr

Ihrer Meinung, das radfahrervorfahrtbehinderndes Rechtsabbiegen bestraft und nicht nur mit Belehrung hingenommen werden sollte, stimme ich voll und ganz zu. Hiervon geht nämlich im Unterschied z. B. zu den meisten geringen Tempoverstößen, die häufig gerade dort gemessen werden, wo die Polizei gut Geld verdienen kann und nicht wo es wirklich aus Sicherheitsgründen nötig wäre, eine leider erwiesenermaßen tödliche Gefahr aus! Ein häufiger mit 30 km/h auf dem Fahrrad unterwegs seiender alter Steglitzer.

Olaf Tagge

Schutzengel machen Überstunden

Ich bin über viele Jahre als Berufskraftfahrerin unterwegs gewesen und fahre vermutlich länger Auto als Sie auf der Welt sind. Mir fällt allerdings immer mehr eine absolute Disziplinlosigkeit von Radfahrern und weniger Radfahrerinnen (ohne Knautschzone) und Car-to-Go, Drive-Now Fahrern und weniger Fahrerinnen (mit wenig Knautschzone) - vielleicht sonst Radfahrer? - auf, die mit ca. 15 -20 km/h auf den Bürgersteigen entlang fahren, mit ca. 20 km/h vom Bürgersteig einer Seitenstraße über die bevorrechtigte Straße fahren ohne hinzugucken; teilweise mit dem Mobiltelefon agieren. Gestern morgen im Berufsverkehr fuhr ein Radfahrer unter völliger Missachtung der Ampelschaltung und der Regelungen für Radfahrer quer über den Großen Stern und fuhr in ein Auto mit einem sich korrekt verhaltenden Autofahrer. Der Autofahrer hatte glücklicherweise sehr schnelle Reaktionen. Der Radfahrer kam von hinten von der Seite.

Ich bin mehr als einmal - nicht ohne Ironie - in direkter Umgebung des Amtsgerichts Tiergarten - Kirchstraße 6 mit den Verkehrsabteilungen - von Eltern mit Kindern auf Fahrrädern angeklingelt worden, weil ich nicht bereit zu sein schien, ihnen als bevorrechtigten Verkehr auf dem Bürgersteig Platz zu machen. Ich war beidseitig gut sichtbar auf Gehhilfen angewiesen.

Ich glaube, die Schutzengel machen zu Gunsten der Radfahrer hier in Berlin mehr als nur Überstunden.

In Kopenhagen gibt es bei solchem Verhalten Pfeifkonzerte der Umstehenden und der anderen Radfahrer.

Georgia Baer-McIlvaney

Geschwindigkeit anpassen

Was heißt hier schnelle Radfahrer? In der Fahrschule lernt man, das jeder Verkehrsteilnehmer seine Geschwindigkeit entsprechend der Verkehrslage anzupassen hat, dazu gehört auch bremsbereit zu sein, falls nötig. Auch Radfahrer, die meinen auf dem Rad das Handy benutzen zu müssen, sollten ihr Rad abstellen.
Jörgen Dettbarn

Und was meinen Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser? Wie kann die Gefahr, die beim Abbiegen entsteht, entschärft werden? Sind Strafen überfällig? Oder reicht erst einmal Aufklärung? Womöglich gibt es andere Lösungen des Problems? Diskutieren Sie mit! Nutzen Sie dazu bitte die einfach zu bedienende Kommentarfunktion etwas weiter unten auf dieser Seite.

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