Berlin : Leserwerbung

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VON TAG ZU TAG

Von David Ensikat

Also, ich will’s mal gleich sagen: 18 bin ich nicht mehr. Der modernen Welt mit Mobilfunk und SMS stehe ich aufgeschlossen gegenüber, aber ein altväterliches Wodasallesmalhinführt mag ich mir nicht verkneifen.

Warum? Nun, weil sich gestern jemand verwählt hat. Mein Handy klingelte, ich fuhr gerade um den Ernst-Reuter-Platz, mir stand der Spurwechselschweiß auf der Stirn, ich ließ es klingeln. Vom Platz herunter, fuhr ich rechts ran, drückte auf Rückruf, „Hallo“, sagte eine Frauenstimme, ich: „David Ensikat, Sie haben mich angerufen“, dann klapperte es, machte klick und das war’s erstmal. Fünf Minuten später eine Textnachricht auf dem Handy: „hi, sorry! hatte mich verwählt. aber deine stimme ist nett . . . Wo kommst her?“ Huiii, ein SMS-Flirt, mir wurde ganz schwummerich. Man hört ja von Internet-Bekanntschaft und Cybersex und solchen Sachen, erinnert sich an die langsame Runde in der Disko damals, schüttelt den Kopf und lebt weiter vor sich hin. Jetzt das. Auf der Rückbank saß mein Sohn und nestelte mit seinen Pokémon-Karten rum, ich dachte: Man darf sich da nicht verschließen. Der Fortschritt, die Moderne, der Cyberspace. Alles wichtige Sachen. Zitternden Daumens schickte ich ein „aus berlin“ zurück. Kurz drauf die Antwort: „auch in berlin. wie alt? ich bin 18“. Na super. Was denn jetzt? Ich habe mich ins Kaufmännische gerettet. Wir wollen doch junge Leser. „lies morgen den tagesspiegel“ habe ich zurückgesimst, „wenn du mich liebst, abonnierst du den hinterher.“

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