Lesestunde : Der Finanzminister erzählt Märchen

Peer Steinbrück zeigt Kindern seinen verborgenen Schatz – das Talent zum Vorlesen. Er sprach mit ihnen auch über die Finanzkrise.

Rita Nikolow
Steinbrück
Er kann auch noch lachen: Peer Steinbrück. -Foto: Eventpress

BerlinNein, die Simpsons hat er früher nicht gelesen: „Die gab es in meiner Kindheit noch nicht“, antwortet Peer Steinbrück (SPD) auf die Frage eines Viertklässlers. Der Finanzminister sitzt mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem roten Stuhl und hat ein Märchenbuch auf den Knien. Gerade hat er für die Veranstaltungsreihe „Politiker erzählen Märchen“daraus vorgelesen, und zwar die schwedische Erzählung „Lasse, mein Knecht!“. Neben Steinbrück steht eine Schatulle mit Perlenketten und Goldmünzen, die eigentlich aus Schokolade sind.

Etwa 40 Viert- und Fünftklässler haben Steinbrück hier im Max-Liebermann-Haus am Pariser Platz zugehört, sie sitzen auf roten und gelben Kissen. In dem Märchen geht es um einen Herzog, der sich zu sehr auf einen unsichtbaren Diener verlässt, der ihm alle Wünsche erfüllt. Am Ende des Märchens steht die Erkenntnis, dass sich auch Nicht-Herzöge lieber auf sich selbst verlassen sollten als auf einen Diener. Das will Steinbrück auch den Schülern vermitteln: „Ihr müsst Euer Leben selber gestalten“, sagt er und sieht dabei aus wie ein junger und sehr schick gekleideter Großvater, mit Anzug und Krawatte.

Ob das ein Hinweis auf den weiteren Abbau des Sozialstaates ist, wollen die Grundschüler in der anschließenden Fragerunde nicht von ihm wissen. Dafür aber viel Privates – und Politisches, zum Beispiel, wie lange er schon als Politiker arbeitet. „1990 wurde ich Staatssekretär, 1993 Minister“, sagt Steinbrück. „Uiuiui“, rufen ein paar Kinder laut, die damals noch nicht geboren waren, und Steinbrück gibt zurück: „Ich sehe wohl jünger aus.“ „Wie viele Kinder haben Sie?“, will ein anderes Kind wissen. Steinbrück hat drei Kinder; zwei Töchter und einen Sohn. „Und wie alt sind deine Töchter?“, will ein kleiner Junge wissen. „Ende 20, die kommen für dich nicht infrage.“ „Haben Sie Haustiere?“, fragt ein Mädchen. „Bis vor zwei Wochen eine Katze, aber die ist gestorben“, sagt Steinbrück. Und die habe gefusselt wie verrückt.

Und dann will das erste Kind wissen, wie es zur Finanzkrise kommen konnte. Zuerst antwortet Steinbrück eher ausweichen, aber als das dritte Kind nachfragt, versucht er doch, das schwer Beschreibbare zu erklären: „Hat jemand von Euch schon mal Geld verliehen?“ „Ja, an meine Mutter, 20 Euro“, ruft ein Schüler, „nach zwei Tagen hab ich es zurückbekommen.“ „Stellt Euch vor, ihr verleiht alles Geld, was ihr habt, und bekommt es nicht zurück“, sagt Steinbrück. Das sei den Banken passiert, und weil jetzt keine Bank der anderen mehr Geld leihe, gebe es die Finanzkrise. Aber auch für deutsche Staatsverschuldung interessieren sich die Kinder. „Warum drücken sich alle vor den Schulden und bauen dauernd neue Straßen?“ „Na ja, alle fordern den Schuldenabbau, und jeder hat einen Wunschzettel, wo wir sparen sollen“, sagt Minister Steinbrück: „Wo sollen wir denn sparen, an den Schulen?“ „Bei den Schulen, bei den Schulen“, rufen die Schüler fast einstimmig.Rita Nikolow

Mehr Märchen gibt es bis zum 23. November bei den Märchentagen. Infos unter: http://www.maerchenland-ev.de.

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