Lesung : Der lange Schatten der Stasi

Jürgen Schreiber, ehemals Chefreporter des Tagesspiegels, las aus seinem Buch "Die Stasi lebt – Berichte aus einer unterwanderten Republik".

Daniela Martens
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Jürgen Schreiber. -Foto: Tsp

Berlin - Die mausgraue Uniform wirkt, als sei sie eben auf den Bügel gehängt worden – von einem Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, Dienstgrad Leutnant. Doch die ausgebeulten Kleidungsstücke sind seit langem Ausstellungsstücke im Informationszentrum der Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen an der Mauerstraße in Mitte. Ein paar Stufen entfernt saß am Mittwochabend Jürgen Schreiber, ehemals Chefreporter des Tagesspiegels, und las von Begegnungen mit ehemaligen Trägern solcher Uniformen – aus seinem Buch „Die Stasi lebt – Berichte aus einer unterwanderten Republik“ (Knaur Verlag, 8,95 Euro).

Auch die Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen Marianne Birthler ist bei der Lesung in der Reihe „Zeitung im Salon“ dabei – im knallroten Jackett, als wolle sie ein Statement gegen das Grau der Stasiuniform setzen. Die Geschichte des Ministeriums für Staatssicherheit beeinflusse die Deutschen bis heute, sagt Birthler. Sie sei im Gegensatz zur landläufigen Meinung kein ostdeutsches Regionalphänomen, sondern ein gesamtdeutsches Thema. Das könne man jetzt wieder am Fall Kurras sehen. Das Ministerium für Staatssicherheit sei die „Karikatur einer ersten gesamtdeutschen“ Organisation gewesen.

Ob man heute genug über Stasispione im Westen wisse, fragt Tagesspiegel-Redaktionsdirektor Gerd Appenzeller, der die Lesung moderiert. Es seien zumindest schon wichtigere Spione als Kurras entdeckt worden, sagen Schreiber und der Stasihistoriker Jens Giesecke, der als Experte eingeladen war. Etwa der in Berlin stationierte US-Soldat mit dem Decknamen Kid. Oder Nato-Mitarbeiter Rainer Rupp, der seinen Stasi-Führungsoffizier oft früher über Interna informierte als den Nato-Generalsekretär. dma

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