Lesung : Dim Sum und Klimagipfel

Klima, Energie, Ernährung, soziale Gerechtigkeit - wie hängt das alles miteinander zusammen? Harald Schumann und Christiane Grefe lasen aus ihrem Buch über die Globalisierung.

Daniela Martens
Schumann
Harald Schumann und Christiane Grefe -Foto: Uwe Steinert

Die Baglama zirpt klagend unter Derya Takkalis Fingern. Als der Langhalslautenspieler sein Weltmusikstück „à la Turca“beendet hat, grinst er und sagt: „Ich habe heute Abend ein ganz schlechtes Gewissen, wenn wir hier über Natur- und Klimaschutz sprechen, weil mein Instrument aus brasilianischem Tropenholz ist.“ Währenddessen schielt Takkali zur Seite – zu Tagesspiegel-Redakteur Harald Schumann und „Zeit“-Autorin Christiane Grefe, die neben ihm im großen Saal des Löwenpalais sitzen. Die beiden sind Experten, wenn es um Globalisierung geht – und um alles, was dazugehört, wie etwa die drohende Klimakatastrophe.

An diesem Abend lesen sie im Tagesspiegel-Salon aus ihrem Buch „Der globale Countdown. Gerechtigkeit oder Selbstzerstörung – Die Zukunft der Globalisierung“ (Kiepenheuer & Witsch, 19,95 Euro). Sie habe das Buch geschrieben, „um genau zu erkennen, wie alles miteinander zusammenhängt: Klima, Energie, Ernährung, soziale Gerechtigkeit, Ressourcen“, sagt Christiane Grefe. „Wenn man diese Puzzlesteine dauernd herumwirbelt, muss man irgendwann ein Bild daraus machen“, ergänzt Harald Schumann.

„Hemmungslose Buhrufe hallen durch den Saal. Dann herrscht kurze Stille. Das Erschrecken im Saal ist so groß, dass die Luft zu schwingen scheint. Soll wirklich die Rettung der menschlichen Art an Formulierungen scheitern?“, liest Grefe über die UN-Klimakonferenz in Bali vor, wo zwei Wochen lang „im Urlaubsambiente“ über die Zukunft des Planeten gestritten wurde – und die amerikanische Delegation fast für ein Scheitern sorgte. Doch die anderen Teilnehmer brachten sie zum Einlenken. Darin sehen die Autoren ein positives Zeichen, wie die Globalisierung in Zukunft in geordnetere Bahnen geleitet wird: „Die Vereinigten Staaten sind mit ins Boot gegangen, weil die gegenseitige Abhängigkeit eine Kooperation sinnvoller erscheinen lässt als eine Konfrontation.“

Zur Globalisierung serviert die Firma Eßkultur das passende Menu: Chinesische Dim Sum, indische Gerichte wie Daal, Samosa, Auberginencurry, Apfelchutney und zum Nachtisch Russische Honigtorte „Tort medovij“. TagesspiegelLeserin Anne Brüggemann genießt das globale Essen im Garten mit ihrem Mann. Ihr gefällt die „geballte Information“, die sie an diesem Abend bekommt. „Das Thema ist so wichtig, ich hoffe, dass es die meisten Zuhörer nach der Veranstaltung weiter im Auge behalten – vor allem, was die Politiker dabei tun.“ Dieser Wunsch passt zu den Worten von Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff über das Buch. „Es ist eine Art Bibel“, moderierte er. „Wenn Sie es gelesen haben, möchten Sie etwas verändern.“Daniela Martens

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